Bereits kurz nach der Geburt meiner großen Tochter fiel mir auf, dass sie deutlich weniger schlief als alle anderen Babys.

Mir wurde immer wieder erzählt, dass Neugeborene viele Stunden am Tag schlafen würden. Mein Kind nicht.  

Sie hatte zwar zeitlich schnell einen 3-Stunden Rhythmus gefunden, was das Stillen betraf und danach dann einen vier Stunden Rhythmus, jedoch war sie die meiste Zeit dazwischen wach und blickte neugierig umher. 

Schnell stellten wir fest, dass sie am besten schlief, wenn sie getragen wurde. 

So kamen wir anfangs auf eine maximale Schlafzeit von 1,5 Stunden am Stück. Von nachts Durchschlafen war bei uns viele Jahre nicht zu träumen. 

Wobei ich ehrlich sagen muss, dass wenn andere Mütter von ihren Kindern und dem Begriff „Durchschlafen“ erzählten, ich mir wirklich vorstellte, sie würden durchschlafen. Hakte ich dann genauer nach, kam heraus, dass viele Mütter hier maximal 5 Stunden am Stück meinten. 

Nach den ersten Monaten klappte das Schlafen bei uns in der Nacht soweit auch gut, lediglich einmal in der Nacht wollte meine damals „Kleine“ gestillt werden.

Aber wie sah es mit dem Schlaf tagsüber aus?

Anfangs schlief sie 1,5 Stunden am Vormittag und 1,5 Stunden am Nachmittag. Nach den ersten Wochen veränderte sich das auf maximal 1,5 Stunden mittags, danach mit Glück eine Stunde. Das blieb dann bis zum Kindergarten so, hier fiel der Mittagsschlaf komplett weg.

Dafür abends eher ins Bett?

Bei meiner Tochter Fehlanzeige! 

Immer wieder hörte ich von Eltern, die berichteten, dass ihre Kinder spätestens um 19 Uhr schliefen, trotz ca. 3 Stunden Mittagsschlaf.

So langsam fing ich mir an, Sorgen zu machen. Also recherchierte ich zunächst im Internet. Hier fand ich auch die Aussage, dass Babys bis 3 Monaten 14 bis 17 Stunden am Tag schlafen würden, Kindergartenkinder 12- 14 Stunden. Das erreichte meine Tochter nie.

Also sprach ich meine liebe Kinderärztin bei der nächsten U-Untersuchung an.

Diese reagierte gelassen und meinte nur schmunzelnd zu mir (nachdem ich ihr von meinen Internetinformationen berichtet hatte):

Jedes Kind ist anders. Nicht jedes Kind braucht gleich viel Schlaf.

Diese Aussage beruhigte mich. Ansonsten war meine Tochter altersentsprechend gut entwickelt und war sehr aufgeweckt.

Meine zweite Tochter, die zwei Jahre später auf die Welt kam, brauchte offenbar auch weniger Schlaf, als die schönen Tabellen im Internet mir weis machen wollten. Sie schlief zwar minimal mehr, als meine große Tochter, aber dennoch deutlich weniger, als andere gleichaltrige Kinder.

Nachtschreck (Pavor nocturnes)

Zusätzlich litt meine kleine Tochter lange an dem sogenannten Nachtschreck. Am Anfang war ich doch ziemlich erschrocken, als sie plötzlich nachts laut losschrie. Ich dachte, sie hätte Schmerzen. 

Wenn sie so schrie, konnte ich sie auch nur schwer beruhigen. 

Nachdem dies regelmäßig alle paar Nächte passierte, ging ich auch hier wieder zu unserer lieben Kinderärztin, die mich auch hier wieder beruhigte und mir erklärte, was es damit auf sich hatte.

Tatsächlich beobachtete ich, dass meine Tochter sich am Morgen danach nicht mehr daran erinnern konnte.

Meine Kinderärztin meinte, das würde sich „verwachsen“ und es hätten 1/4 aller Kinder.

Im Laufe der Jahre, wurden es immer weniger Nächte, in denen meine Tochter diesen Nachtschreck hatte. 

Mit Eintritt in die Schule hörte es komplett auf. Bei den meisten Kindern endet es im Alter von sechs Jahren.

Mittlerweile redet meine kleine Tochter nur noch ab und zu in der Nacht im Schlaf, besonders dann, wenn sie einen aufregenden Tag erlebt hat.

Wenn sie sich mit jemanden stark gestritten hat, auf einer aufregenden Geburtstagsfeier war oder wir einen spannenden Ausflug gemacht haben.

So verarbeitet sie die vielen Eindrücke.

Der Schlafmangel zerrt an meinen Nerven

Dadurch, dass meine zwei Kinder ihr erstes Lebensjahr mindestens einmal in der Nacht aufgewacht sind und sie ja nur zwei Lebensjahre auseinander liegen, hieß das für mich über Jahre hinweg mindestens einmal die Nacht auf zu stehen.

Anschließend kam der Nachtschreck bei meiner Kleinen und das „nächtliche Erzählen“.

Generell habe ich seit der Geburt meiner Kinder einen sehr leichten Schlaf, so dass ich bei jedem Geräusch sofort wach bin.

Meine kleine Tochter fragte mich einmal „Mama, warum schläfst du eigentlich nie? Immer wenn ich versuche mich anzuschleichen, wenn du schläfst, bist du schon wach.“

Deswegen haben wir relativ schnell festgestellt, dass eine gemeinsame Schlafumgebung zusammen mit unseren Kindern nicht funktioniert.

Beide Kinder waren jeweils ein Jahr bei uns zusammen im Elternschlafzimmer, mit einem Beistellbett. 

Aber auch die Kinder wurden durch uns regelmäßig wach.

Für uns alle war es entspannter, als die Kinder in ihrem eigenen Zimmer schliefen.

Aber das muss jede Familie für sich ausprobieren.

Damit meine Nerven nicht ständig auf Grund des Schlafmangels blank liegen, habe ich mir angewöhnt, einen Mittagsschlaf zu machen, wann immer es möglich ist.

Leider geht und ging es arbeitsbedingt nicht immer, aber immerhin ab und zu. 

Das habe ich beibehalten und es tut mir gut. Danach  bin ich deutlich ausgeruhter und entspannter. Oft reicht schon eine halbe Stunde aus. 

Selbst wenn ich nicht richtig schlafe, sondern einfach nur vor mich „hindösen“ kann, bin ich danach ausgeruhter. 

Schlafrituale und Schlafumgebung

Natürlich spielt die Schlafumgebung auch eine große Rolle. Der Raum sollte nicht zu hell sein und ruhig. Die Temperatur sollte max. bei 18 Grad liegen, damit es nicht zu heiß ist.

Auch helfen bekanntermaßen Schlafrituale bei vielen Kindern. 

All diese Dinge haben wir bei unseren Kindern beachtet und noch viel mehr. So sollten sie kurz vor dem Schlafengehen nicht mehr fernsehen und der Abstand zur letzten Mahlzeit sollte groß genug sein. Die „Bettgehzeit“ sollte immer die dieselbe sein. Das klappte natürlich nicht immer.

Außerdem habe ich festgestellt, dass wenn meine zwei aus irgendeinem Grund viel Süßes oder zum Beispiel gegen Abend noch eine Limonade bekamen, weil sie vielleicht auf einer Geburtstagsfeier waren, waren sie abends völlig überdreht und nur schwer wieder zur Ruhe zu bewegen.

Deswegen achte ich darauf, dass es bei meinen zwei Kindern gegen Abend keinen Zuckerkonsum mehr gibt. Natürlich klappt auch das nicht immer.

Eulen und Lerchen

Mittlerweile sehe ich das Thema Schlaf deutlich gelassener und habe akzeptiert, dass meine zwei Mädels wohl eher zu der Fraktion „Eulen“ gehören.

Inzwischen gehen meine beiden Töchter in die Schule und müssen um sechs Uhr morgens aufstehen. 

Spaßeshalber habe ich vor kurzem mal wieder recherchiert, wie hier denn die schönen „Schlaftabellen“ im Internet aussehen. 

Meine kleine Tochter, mittlerweile im besten Alter von 8 Jahren müsste demnach um 19.30 Uhr ins Bett und meine große Tochter, jetzt 10 Jahre alt, um 20.00 Uhr.

Weißt du was? Um diese Zeit schlafen meine beiden Kinder nie.

Sie gehen beide zwar um 20.00 Uhr ins Bett, aber meine Kleine schläft nicht vor 21.00 Uhr und meine 10-jährige oft erst um 22.00 Uhr.

Sie verhalten sich aber ruhig in ihrem Bett. Das große Licht ist aus und es brennt entweder nur eine kleine Leselampe oder eine dunkle indirekte Beleuchtung. 

Meine kleine Tochter hört meistens noch ein Hörspiel und meine Große ebenfalls oder sie liest in einem Buch.

Sie schlafen zwar nicht, aber sie bleiben ruhig in ihrem Bett.

Hier höre ich wieder auf mein berühmtes Bauchgefühl. Man kann einen Menschen nicht zum Schlafen zwingen. 

Neugierig, aufgeweckt, bewegungsfreudig

Obwohl meine zwei Kinder nicht so viel schlafen, wie in den „Tabellen“ angegeben, sind sie gesund und munter. Sie bewegen sich täglich an der frischen Luft und machen beide viel Sport.

Mittlerweile kommt es sogar ab und zu vor, gerade wenn meine große Tochter Übernachtungsgäste hat oder wir im Urlaub sind, dass ich bereits vor meinen Kindern ins Bett gehe, um dort noch in Ruhe in einem Buch zu schmökern.

Nach all den Jahren, in denen ich mir immer mal wieder Gedanken machte, ob meine Kinder eventuell zu wenig schlafen würden und ob ihnen das schaden könnte, muss ich selber über mich ein wenig schmunzeln.

Ich hätte was das Thema angeht bereits viel früher und noch deutlicher auf mein Bauchgefühl hören sollen und mich nicht von Aussagen anderer Mütter oder den Informationen aus dem Internet verunsichern lassen sollen.

Wenn dein Kind weniger als andere gleichaltrige Kinder schläft, aber ansonsten putzmunter ist, braucht es vielleicht einfach nur weniger Schlaf und ist eine „Eule“.

Im Übrigen war ich selbst nach Aussagen meiner Familie eine kleine „Eule“ und bin es bis zur Geburt meiner Kinder geblieben – danach dann ja zwangsweise auch 😉

Wie heißt es immer so schön: Der Apfel fällt nicht weit von Stamm.