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Vor einiger Zeit habe ich einen sehr interessanten Artikel von einer Kinderärztin gelesen. Ich lese sehr viel und vieles von dem verschwindet auch schnell wieder aus meinem Gehirn, entweder, weil es mich nicht interessiert oder weil ich anderer Meinung bin.
Dieser Artikel aber blieb stark in meiner Erinnerung: es ging darum, dass man seine Kinder relativ früh aufklären soll. Und zwar bereits im Alter zwischen 6 und 8 Jahren.
Das Ganze wurde auch sehr gut begründet: es sei wissenschaftlich bewiesen, dass Kinder die bereits aufgeklärt sind, weniger für sexuellen Missbrauch anfällig seien. Das leuchtete mir durchaus ein, denn wenn Kinder wissen, wie was und warum funktioniert, ist es für sie kein Geheimnis mehr und sie wissen, dass es unter Umständen nicht in Ordnung ist, was gerade passiert.

Mein Körper gehört mir und „Nein!“

Das der Körper meiner Kinder nur ihnen selbst gehört, und seine Grenzen zu kennen und auch deutlich zu sagen, das haben meine zwei Mädels schon gelernt. Hierfür hatte ich ganz tolle Bilderbücher, die alles kindgerecht und anschaulich erklärt haben. So wissen meine Kinder bereits, dass, wenn sie etwas nicht wollen, oder etwas sich unangenehm anfühlt, laut und deutlich ihre Grenze setzen. Hier haben meine zwei Mädels auch an einem sogenannten Mutmach-Kurs teilgenommen. Auch das Thema „Ich gehe nicht mit Fremden mit“ haben wir ausführlich und gründlich besprochen.

Aufklären?

Aber aufklären? Soweit war ich noch nicht und ehrlich gesagt, dachte ich, dass ich hierfür noch etwas Zeit hätte.
Der gelesene Artikel ging mir nicht aus dem Kopf. Du musst wissen, meine beiden Mädels sind jetzt genau in dem besten Alter von 6 und 8 Jahren. Ich fühlte mich ein bisschen ertappt, da ich doch wirklich hoffte, das Thema noch laaange vor mir her schieben zu können. Schließlich waren die zwei doch gerade eben noch meine Babys, oder?
In dem Bericht stand auch, dass es heut zu Tage nicht unüblich ist, dass Mädchen bereits ihre Periode mit 9 Jahren bekommen.
Kannst du dir vorstellen, wie geschockt ich war? Das bedeutet ja, das mein „kleines“ Mädchen eventuell bereits in einem Jahr ihre Periode bekommt. Für mich als Mama unvorstellbar.
Ist es aber vielleicht nicht in Wirklichkeit so, dass ich sie selbst am liebsten noch so klein sehen würde und dieses leidige Thema Periode, was durchaus “groß werden“ bedeutet, weit weg schieben möchte?
Aber natürlich ist mir klar, dass gerade ich, als Mama von zwei Töchtern hier eine besondere Verantwortung trage.
So stellte ich mir vor, was passieren würde, wenn meine große Tochter noch nicht ausreichend aufgeklärt ist und ihre Tage bekommt: Da meine große Tochter sehr sensibel auf Blut reagiert, aber durchaus selbständig ist, bin ich mir fast sicher, dass sie große Angst bekommen würde und wahrscheinlich sogar selbst den Notarzt anrufen würde, wenn sie annimmt, dass sie verblutet.
Natürlich haben meine zwei Mädels schon das ein oder andere Mal im Bad mitbekommen, dass ich meine Tage ab und zu habe. Ich habe das, als sie noch klein waren, mit „das haben erwachsene Frauen einmal im Monat“ abgetan- vielleicht ein Fehler, vielleicht hätte ich hier bereits näher darauf eingehen sollen?
Und wann war eigentlich das letzte Mal, dass sie es mitbekommen haben? Seitdem sie nun etwas älter sind, sofern man von 6 und 8 Jahren von „älter“ sprechen kann, sind sie bei mir nur noch selten im Bad anwesend.
Als ich dann auch noch las, dass man die Geschlechtsteile bereits am besten von Anfang an vor den Kindern bei dem richtigen Namen benennen sollte und keine „Kinderwörter“ hierfür benutzen soll, war ich mir mal wieder sicher: ich habe alles falsch gemacht.
Tatsächlich heißen bei uns die Geschlechtsorgane „Mumu“ und „Lulu“.
Meines Rabenmama-daseins bewusst, musste ich nun handeln.

Informationen

Die Frage, die danach sofort in meinem mittlerweile total verwirrten Kopf entstand: wie soll ich das denn tatsächlich in der Praxis machen? Wie kläre ich denn nun meine Kinder am besten auf, ohne das sie den Schock ihres Lebens bekommen und später viele Jahre Therapie benötigen? Und natürlich auch: wie halten das meine eigenen Nerven aus?
Also besorgte ich mir Informationen rund um das Thema „Aufklärung für Kinder“. Ich las viel im Internet und bestellte mir zunächst ein Buch, das von vielen hochgelobt in diesem Bereich wurde:

Klär mich auf! Von Katharina von der Gathen und Anke Kuhl.

Klär mich auf: 101 echte Kinderfragen rund um ein aufregendes Thema
  • Katharina von der Gathen
  • Herausgeber: Klett Kinderbuch Verlag
  • Auflage Nr. 2 (01.10.2014)
  • Gebundene Ausgabe: 208 Seiten

Natürlich schaute ich mir das Buch zunächst einmal alleine an.
Und: ehrlich? Ich war geschockt. Ich bin durchaus kein verklemmter Typ Mensch, aber dieses Buch ging mir doch für das erste Gespräch mit meinen Kindern zu sehr ins Detail.
Ich habe das Buch aufgehoben, denn es ist durchaus wirklich gut gemacht und gerade wenn die Kinder dann bereits etwas aufgeklärt sind und vielleicht konkretere Fragen haben, durchaus empfehlenswert. Es werden viele Fragen von Kindern auf kindgerechte Art und Weise erklärt, aber es war mir in meiner aktuellen Phase, quasi der Phase 0 – meine Kinder wissen noch gar nichts – zu detailliert.

Die Gegebenheit, dass das Buch nicht gut zu unserer aktuellen Situation passte, nahm ich natürlich gleich mal wieder, um das Thema erstmal zu vertagen.
Kennst du das auch? Ich bin bei mir unangenehmen Themen durchaus gerne der Aufschieberitis zugewandt.
Es dauerte aber nicht lange und meine Tochter kam einige Tage später mit der aufregenden Information nach Hause, dass ein Klassenkamerad von ihr im Pausenhof mit einem Mädchen wild „geknutscht“ hätte.
Das fand sie voll eklig und nun ja, wer weiß, was bei Kindern aus der zweiten Klasse „wild knutschen“ bedeutet – wahrscheinlich war es lediglich ein Bussi – aber es reichte aus, dass wieder mein schlechtes Rabengewissen zum Vorschein kam und ich mich erneut mit dem Thema beschäftigte.

Von einer Freundin bekam ich dann den Tipp mit diesem Buch, als Einsteigerbuch zur „Aufklärung“:
Wie funktioniert das denn für Mädchen??? Von Sarah Delmenge und illustriert von Lee Wildish

Wie funktioniert das denn für Mädchen???
  • Sarah Delmege
  • Herausgeber: Parragon Books Ltd Bath
  • Gebundene Ausgabe: 96 Seiten

Hier wird zunächst auf die körperliche Entwicklung eingegangen, mit Themen wie „wann wachsen deine Brüste“ , „Pickelalarm“ und eben auch „Deine Periode“. Anschließend werden noch „schwierige Gefühle“ behandelt und aber auch „was ist für Jungen anders“.
Dieses Buch kam mir sehr gelegen, da es hier noch nicht um das Thema „Sex“ geht.

Also habe ich es bestellt. Es gibt es übrigens auch in einer Variante für Jungs „Wie funktioniert das denn für Jungs???“.

Nachdem das Buch angekommen war und ich es zum Einstieg für gut befunden hatte, musste ich aber ja nun auch loslegen. Dafür nahm ich mir vor, das Thema in verschiedene Phasen ein zu teilen.
Meine Phase 1: Klärung der Begriffe für Genitalien und nochmaliges besprechen von „Mein Körper gehört mir“

Phase 1 – Klärung der Begriffe für Genitalien

Als wir dann einmal an einem Samstag nachmittag zu Hause waren, ohne das Besuch sich angekündigt hatte und auch sonst nichts aufregendes anstand (der beste Ehemann der Welt war in der Arbeit), rief ich meine Kinder zu einer Eisschokolade zu mir auf die Terrasse.
Du musst wissen, wenn ich meine zwei Mädels einfach so zu mir rufe, um mit ihnen etwas besprechen zu wollen, neigen sie gerne dazu, sich zu drücken und das Gespräch weit hinaus zu zögern, da meistens tatsächlich dann immer ein ernstes Gespräch ansteht.
Zuvor hatte ich selbst noch eine Tasse Kaffee getrunken, heimlich ein Stück Schokolade gegessen und gefühlt hundertmal in Ruhe ein- und ausgeatmet, zur Beruhigung meiner Nerven. In diesem Moment kam mir auch der Gedanke, einen  kleinen Schnaps zu trinken, was ich natürlich nicht gemacht habe, da ich schließlich nicht lallend und kichernd – ich vertrage keinen Schnaps – vor meinen Kindern sitzen wollte. Zu dem Zeitpunkt wäre mir tatsächlich ein Vortrag vor hundert Leuten lieber gewesen, als mich diesem Gespräch mit meinen Mädels zu stellen.

Als Beide  mit ihrer Eisschokolade vor mir saßen fing ich also an: „Ihr wisst ja, wie wir das hier unten nennen…“. Ich erklärte ihnen, dass das „Kindersprache“ sei und das sie nun alt genug seien, um die Dinge beim richtigen Namen zu nennen. Der Genitalbereich der Frau heißt Vagina oder Scheide und der „Lulu“ des Mannes heißt in Wirklichkeit Penis.
Zunächst wurden ihre Augen ganz groß, anschließend brachen sie in Gekicher aus.
Innerlich schnaufte ich schon erleichtert auf, denn ich hatte ja nun meine erste Phase erfolgreich hinter mich gebracht. Womit ich allerdings nicht gerechnet hatte, war die Neugier meiner zwei Töchter. Nachdem sie ihre Eisschokolade fertig gegessen hatten, zog meine kleine Tochter sofort ihre Hose runter und setzte sich breitbeinig vor meine größere Tochter, um sich ihren Genitalbereich genauestens anzusehen.
Meine große Tochter reagierte zunächst mit „Ihhhhh, das ist ekelig!“, betrachtete aber trotzdem ganz genau die Vagina ihrer Schwester. Als ich ihr dann erklärte, dass sei überhaupt nichts ekeliges, es gehört zu jedem Menschen, genauso wie ein Arm oder Bein, zog sie nun auch ihre Hose herunter und setzte sich ebenfalls breitbeinig vor ihre Schwester.
Nun betrachten die beiden sich ihre Genitalbereiche gegenseitig und stellten fest, dass es doch minimal anders aussah. Ich erklärte das damit, dass ja schließlich auch jedes Gesicht von jedem Menschen anders aussieht, wir alle aber dennoch Nase, Mund und Augen im Gesicht haben.
Die Erklärung fanden sie einleuchtend.
So langsam kam ich ins Schwitzen.
Nun fingen sie an sich genaustens selbst zu betasten und stellten mir weitere Fragen, wie man die Sachen denn da alle so genau nennt. So musste ich zusätzlich noch die inneren und äußeren Schamlippen erklären und als meine kleine Tochter mit dem Finger anfing an ihrer Klitoris zu spielen und mir dabei mitteilte, dass sich das gut anfühlen würde, musste ich das auch noch ausführlicher behandeln.
Zu diesem Zeitpunkt war mein Kopf bereits rot wie eine Tomate, obwohl ich sonst ja  nicht verklemmt bin, ist es doch noch einmal etwas ganz anderes, wenn man mit den eigenen Kindern darüber spricht.
Ich nutze die Gelegenheit, um ihnen nochmal zu sagen, dass es vollkommen in Ordnung ist, wenn man sich da selber berührt, aber dass ihr Intimbereich auch nur ihnen selbst gehört und das andere Menschen dort nichts zu suchen haben, besonders dann nicht, wenn man es nicht will.
Als beide Mädels sich ihre Hosen wieder angezogen hatten und weiter spielen wollten, gab ich meiner großen Tochter noch das Buch „Wie funktioniert das denn für Mädchen???“.
Ich meinte zu ihr, dass sie hier drin lesen kann, wenn sie möchte und sie natürlich jederzeit mit mir darüber sprechen kann.
Für Phase 2 hatte ich mir vorgenommen, mit Ihnen über das Buch zu sprechen. Aber jetzt muss ich mir und meinen Nerven erstmal eine Auszeit gönnen von dem Thema Aufklärung.

Was danach passierte

Nachdem die Mädels wieder beim Spielen waren, gönnte ich mir und meinen Nerven noch einen Kaffee und ein heimliches Stück Schokolade, so eine, die nur für Erwachsene ist, das erzähle ich zumindest meinen Kindern ab und zu, damit ist klar, dass ich diese eine nicht teile.

Bereits am Abend beim zu Bett gehen, fiel mir auf, dass nun die Wörter Vagina, Scheide und Penis recht häufig fielen. So teilten Sie mir z.B. mit, dass sie ihre Vagina ganz sauber gewaschen hatten.
Hierüber machte ich mir nicht so viele Gedanken, denn in besagtem Artikel stand eben auch, dass es auch bei solch einem Thema, wie bei allen neuen Themen von Kindern normal sei, dass die Begriffe erstmal recht häufig fallen.

Was ich allerdings vergessen hatte, war den besten Ehemann der Welt ein zu weihen. Er hatte an diesem Abend Nachtfahrt – der beste Ehemann der Welt ist Fahrlehrer – und hatte am nächsten Tag „Kinderdienst“, da ich selbst unterwegs war. So verließ ich am nächsten Morgen noch recht früh das Haus und er machte sich anschließend mit den zwei Mädels auf den Weg zu einem Kletterausflug.
Als ich am Abend nach Hause kam, die Kinder schliefen schon, starrte mich mein bester Ehemann der Welt entgeistert an und teilte mir mit, dass die Kinder ständig zu ihm sagten, dass er einen Penis habe und sie selbst und die Mama eine Vagina.
Völlig überrumpelt und nicht wissend, wie er reagieren sollte, hat er ihnen gesagt, dass das nicht stimmt, er habe einen „Lulu“.
Ich klärte ihn dann auf, dass die Kinder nun die richtigen Begriffe benutzen, da ich Phase 1 hinter mich gebracht hatte.
So schnappte ich mir am darauffolgenden Tag nochmal meine zwei Mädels und teilte ihnen mit, dass der Papa nur nicht wusste, dass wir ab sofort keine Kindersprache mehr sprechen.
Mir war ja klar, dass diese neuen Begriffe am Anfang häufig fallen werden, aber als dann meine große Tochter anfing, jede ihr bekannte Frau zu fragen, ob sie auch eine Vagina hätte und fragte, ob sie denn Vagina oder Scheide sage, war es mir doch zwischenzeitlich etwas unangenehm.
Ebenso musste ich auch die Erzieher im Kindergarten einweihen, denn auch meine kleine Tochter benutze nun die Begriffe täglich.
Daraufhin sprach ich an einem Abend nochmal mit meinen zwei Mädels darüber, dass die meisten Menschen es nicht so toll finden, wenn man sie über ihren Genitalbereich ausfragen würde.
Seitdem hat es sich ein bisschen gebessert und wie mit allen Dingen die neu für Kinder sind, legt es sich nach einiger Zeit.

Nun bereite ich meine Nerven langsam auf Phase 2 vor.
Natürlich werde ich dir wieder berichten, wie das von statten gegangen ist.

Hast du deine Kinder schon aufgeklärt? Und wenn ja, wie?
Vielleicht hast du ja den ein oder anderen nervenschonenden Tipp für mich? Das könnte ich wirklich gebrauchen.

Bis bald
Deine Sabine

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