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Ja, meine zwei Mädels haben zusammen ein Kinderzimmer. Noch jedenfalls. Ich bin immer wieder erstaunt, dass mir andere Mamas diese Frage stellen und dann immer ganz erstaunt hinterher fragen „Und das geht gut?“

Warum sollte es nicht gut gehen?

Eigentlich habe ich mir vorher darüber gar nicht soviel Gedanken gemacht, es hat sich einfach so ergeben.
Wir hätten zwar noch ein kleines Zimmer gehabt, was wir als Gästezimmer und Büro nutzen, aber es kam mir einfach unfair vor, einem Kind ein großes und dem anderen Kind ein sehr kleines Zimmer zu geben.

Nachdem nun immer wieder alle so erstaunt darüber sind, habe ich mir mal einige Vor- und auch Nachteile rausgepickt.

Vorteile:

Gemeinschaftsgefühl

Meine zwei Mädels benehmen sich sehr häufig wie Zwillinge, obwohl sie einen Altersunterschied von zwei Jahren haben. Sie machen alles gemeinsam. Dadurch, dass sie ein gemeinsames Zimmer haben, können sie einfacher miteinander spielen. Sie müssen nicht immer von einem Zimmer in das andere gehen oder Spielsachen hin- und hertragen. Oft fängt eine Tochter von mir an mit etwas zu spielen, das beobachtet die andere und steigt dann wie selbstverständlich mit in das Spiel ein.

Kompromisse

Meine zwei Mädels sind durch das gemeinsame Zimmer öfters dazu gezwungen, Kompromisse zu schließen. Geht es z.B. darum, dass die Eine aufwendig ihre Lego- oder Playmobilsachen auf dem Fußboden aufbauen will, muss die Andere damit einverstanden sein, dass der Fußboden somit in „Beschlag genommen“ ist. Auch wenn Eine von Beiden ein bestimmtes Hörspiel anhören möchte, muss die andere mit in die Auswahl des Hörspiels einbezogen werden. Wenn die andere damit nicht einverstanden ist, müssen sie gemeinsam einen Kompromiss finden, wie sie ihr Problem lösen können.
Zugegeben, dass endet manchmal auch in lautstarken Diskussionen. Aber, wenn sich kein Aussenstehender in diese Diskussion einmischt, finden sie meistens relativ schnell eine Lösung.

Hilfsbereitschaft

Ich weiß nicht, ob es durch das gemeinsame Zimmer so ist, aber meine Töchter sind sehr hilfsbereit. So kann ich beobachten, wenn Eine von Beiden Hilfe bei einer bestimmten Sache benötigt, z.B. beim hinten am Rücken Knöpfe schließen, hilft die Schwester sofort, vorausgesetzt, dass ich nicht in genau diesem Moment daneben stehe.

Vertrauen

Das Vertrauen zwischen meinen zwei Mädels ist unheimlich groß. Gerade meine große Tochter, jetzt im besten Alter von 8 Jahren, erzählt mir jetzt langsam nicht mehr alles. Aber sie erzählt alles ihrer Schwester. Oft höre ich die Zwei noch abends im Bett heimlich quatschen. So ist immer ein Gesprächspartner da. Wenn ich den Beiden lausche, kann ich feststellen, dass auch teilweise Ratschläge untereinander gegeben werden. Wenn es darum geht, sauer auf mich zu sein, sind die Zwei sich immer einig und bekräftigen gegenseitig ihre Meinung.

Rücksicht

Besonders meine große Tochter hat gelernt Rücksicht zu nehmen. Wenn die Kleine abends schon schläft, beschäftigt sie sich leise. Sie malt oder liest dann in Ruhe etwas.
Das war natürlich nicht von Anfang an so, es war ein Lernprozess, den aber die Kinder selbständig gemacht haben. Wenn meine Große zu laut war, hat sich meine Kleine anfangs lautstark bei ihr beschwert.

Keine Einsamkeit

Wir schlafen auch mit unserem Partner gemeinsam in einem Zimmer und fühlen uns wohl und geborgen. Meiner Meinung nach geht es Kindern, gerade kleinen Kindern, da genauso. Sie wissen einfach, dass sie nicht alleine sind und das noch jemand anwesend ist. Wir hatten eigentlich nie Probleme damit, dass die Kinder in ihrem Zimmer schlafen, ausser wenn sie krank sind. Bis vor gar nicht all zu langer Zeit war es so, dass wenn eine Tochter mal aus irgendeinem Grund woanders übernachtet hat, dauerte es meist nicht lange und die Andere schlüpfte zu mir ins Bett.

Spielsachen sparen

Natürlich gibt es auch bei meinen zwei Mädels manche Spielsachen doppelt. Aber meistens dann in einer anderen Variation und tatsächlich gibt es viele Spielsachen nur einmal, die sie zusammen nutzen. Meine zwei Töchter haben so z.B. ein Puppenhaus, das sie sich teilen. Klar, hier spielt auch der Platzfaktor eine große Rolle. Mit zwei Puppenhäusern in einem Zimmer würde es schlichtweg einfach zu eng werden. Beide spielen wahnsinnig gerne mit Lego, hier hat jede andere Legospielsachen, die sie dann aber im Spiel miteinander kombinieren können.

Nur ein Zimmer

Ein ganz entscheidender Vorteil dürfte wohl sein, dass man nur ein Kinderzimmer für die Kinder hat. Dies ist gerade in Zeiten von sehr hohen Mietpreisen nicht zu verachten.

Aber natürlich hat ein gemeinsames Kinderzimmer nicht nur Vorteile, sondern bringt auch etliche Nachteile mit sich.

Nachteile:

Unordnung

In einem Zimmer ist viel schneller Unordnung. Wenn zwei Kinder mit zwei verschiedenen Sachen spielen in einem Raum spielen, sieht es danach aus, als ob eine Bombe eingeschlagen hätte. Somit müssen meine Kinder häufiger aufräumen. Abends, wenn meine Zwei sich umziehen und ihre Klamotten auf den Boden werfen, ist schon fast kein Durchkommen mehr möglich. Natürlich führt das häufige Aufräumen auch häufiger zu Streit, gerade wenn ein Kind generell ordentlicher ist als das Andere (wie bei meinen).

Die eigene Individualität kommt manchmal zu kurz

Mit zunehmenden Alter entdecken die Kinder ihre eigene Individualität. Wenn sie dabei ständig jemanden um sich herum haben, den sie beobachten, eventuell sogar nacheifern, entdecken sie ihre eigene Individualität nur schwer. Sie ahmen einander nach, was natürlich in jüngeren Jahren ein Vorteil sein kann. Aber wenn es darum geht eigene Vorlieben zu entdecken orientieren sie sich oftmals an der Schwester.

Platzmangel im Kinderzimmer

Wenn sich zwei Kinder ein Zimmer teilen, ist der Platz begrenzt. Wir haben nicht nur zwei Betten, sondern auch zwei Kleiderschränke und auch zwei Schreibtische in einem Raum. Dies hat natürlich den Vorteil, dass insgesamt mehr Ordnung herrschen muss, es hat aber auch den Nachteil, dass gerade größere Spielsachen wie Kaufladen etc. kaum noch Platz haben. Hier müssen meine Kinder wählen, sie können nicht ein Puppenhaus und auch noch einen Kaufladen haben.

Mit zunehmenden Alter auch mehr Konflikte

Dies stelle ich in letzter Zeit immer häufiger fest. Besonders wenn Freunde von meiner Großen zu Besuch sind. Meine große Tochter ist dann schnell genervt, dass ihre kleine Schwester anwesend ist. Ich versuche dann immer, dass ich mit der Kleinen etwas mache. Oftmals finden aber die Freundinnen von meiner Großen die kleine Schwester so toll, dass sie wollen, dass sie mitspielt. Dies verursacht bei meiner Ältesten eine gewisse Rivalität, die oft in Streit endet.

Keine Rückzugsmöglichkeit

Manchmal benötigen auch die Kinder eine Rückzugsmöglichkeit. Uns Erwachsenen geht es ja auch manchmal so, dass wir einfach nur unsere Ruhe haben wollen. Dies ist mit einem gemeinsamen Zimmer nur schwer möglich. Hier müssen die eigenen Bedürfnisse und Interessen ab und zu hinten anstehen.
Ich denke, meine älteste Tochter kommt langsam aber sicher in ein Alter, wo sie zunehmend einen Rückzugsort braucht. Natürlich kann das von Kind zu Kind unterschiedlich sein.

Wir haben versucht das Zimmer ein bisschen optisch durch ein offenes Regal zu unterteilen, auch steht das Bett, Schrank und Tisch von der einen Tochter auf der jeweils anderen Seite. So hat jede trotzdem einen eigenen Bereich.

Natürlich muss das jeder für sich entscheiden und auch die Charaktere von den Kindern sind unterschiedlich. Bei den einen Kindern, wie bei uns, mag das gut funktionieren und in anderen Fällen eben nicht.

Tatsächlich werden wir auch in naher Zukunft unser Dachgeschoss für unsere große Tochter umbauen. So hat sie dann in der Pubertät (an die ich eigentlich noch gar nicht denken möchte) ein eigenes Zimmer.
Wenn meine beiden Mädels dann trotzdem noch gemeinsam in einem Zimmer schlafen möchten, können sie das dann ja weiterhin gerne machen, aber so haben sie dann zumindest die Möglichkeit in ihr eigenes Reich zurück zu ziehen.

Wie sieht das bei Dir aus?
Haben Deine Kinder jeder ein eigenes Zimmer und und wir, was das angeht wirklich „Exoten“?

Ich freue mich auf Deinen Kommentar.

Deine
Sabine