Durch regelmäßige Selbstreflexion werde ich eine bessere Mutter für meine Kinder

Wer mich kennt, weiß, dass ich eine große Verfechterin dafür bin, dass Jede/r seinen eigenen Weg gehen sollte.

Leider fällt es in unserer durchgetakteten  Welt, in der tagtäglich eine Informationsflut über unsere Köpfe hinweg rollt, oftmals schwer, herauszufiltern, was für einen persönlich der „eigene Weg“ ist.

Auf Social Media werden uns oft in Sekundenschnelle verschiedene Pfade des gemeinsamen Familienlebens förmlich um die Ohren gehauen. 

Aber nicht nur von Außen prallen diese Abermillionen, meist gegensätzliche Ansichten auf einen ein. 

Auch wir selbst tragen bestimmte Vorstellungen, die uns von klein auf in die Wiege gelegt und mitgeben wurden, in uns.

All das bestimmt unser Verhalten in bestimmten Situationen.

Es gibt Tage, an denen kann ich ganz entspannt und geduldig meinen Kindern bei den Hausaufgaben helfen. Und dann gibt es die schlechten Tage, die, an denen ich auf Grund einer klitzekleinen Aussage aus der Haut fahre und genervt reagiere.

Ein verbindliches Date mit mir selbst 

Wenn diese Tage des „ ständig gereizt seins“ sich häufen, dann nehme ich mir Zeit. 

Zeit für mich.

Zum einen, um etwas zu entspannen, aber zum anderen eben auch um Selbstreflexion zu betreiben.

Dazu muss ich auch nicht von zu Hause wegfahren und irgendetwas großartig organisieren.

Es genügt oftmals ein Spaziergang mit dem Hund oder eine entspannte Badewanne, wenn die Kids im Bett liegen.

Das Entscheidende dabei ist aber, dass ich mir bereits vorher fest vornehme, mich mit mir selbst, meinen Gedanken, Gefühlen und den vergangenen Situationen zu beschäftigen.

Ich plane ein Date mit mir.  

Ein verbindliches Date.

Der Wahrheit ins Gesicht sehen

Am Anfang meines Dates steht immer die Wahrheit. Leider ist die Wahrheit oft nicht sehr schön.

Ich rufe mir die Situationen ins Gedächtnis, in denen etwas nicht geklappt hat, z.B. in denen ich mich mit meinen Kindern gestritten habe.

Tatsächlich fühle ich mich meistens sehr schlecht bei den Erinnerungen und das schlechte Gewissen droht mich oft zu ersticken.

Aber genau dieses schlechte Gewissen hilft mir dann, mir über die jeweilige Situation etwas mehr Gedanken zu machen.

Ins Detail gehen

Ich beginne die Situation bis ins kleinste Detail nochmal und nochmal durch zu spielen.

Im zweiten Schritt kommen die Fragen hinzu. 

Warum habe ich so reagiert? Hat mich irgendetwas in dem Moment getriggert? Und wenn mich etwas getriggert hat, was genau war es? War es der Tonfall des Anderen? War ich verletzt, in meiner Ehre, in meinem Stolz verletzt? War ich überfordert? Habe ich zu viel erwartet?

War ich eventuell gar nicht bei der Sache, sondern schon mit meinen Gedanken woanders?

Da ich ein sehr ungeduldiger Mensch bin frage ich mich auch ob es meine Ungeduld war, die mir im Weg stand.

Die Antworten kommen von alleine

Bereits während ich mir die Fragen stelle, kommen mir die Antworten.

Ich stelle fest, dass die Situation in 99% der Fälle anders verlaufen wäre, wenn ich selbst anders reagiert hätte. 

Wenn ich nicht so ungeduldig gewesen wäre, oder mit einem anderen Tonfall gesprochen hätte.

Oft stelle ich auch fest, dass meine Wortwahl schon einiges verändern hätte können.

Wenn man die Dinge mit positiven Adjektiven beschreibt, statt mit negativen, verändert sich die Ausgangssituation schlagartig.

Hierzu hatte ich auch bereits einmal einen Beitrag geschrieben:

So wie du dein Kind beschreibst, wird es von seiner Umwelt wahrgenommen

Das passt natürlich auch auf andere Momente. 

Zum Beispiel:

Meine Tochter soll für die Schule in Deutsch einen Unfallbericht schreiben und sie hat darauf überhaupt keine Lust. Jetzt kommt hinzu, dass ich das selbst auch mehr als langweilig finde. Aber anstatt ihr jetzt ihre Abneigung auch noch durch meine Wortwahl zu verstärken, in dem ich selbst sage, dass so Berichte schreiben langweilig und öde ist, könnte ich ihr erklären, dass durchaus auch ein Unfallbericht spannend sein kann. Und ihr vielleicht noch erzählen, dass später im Leben von einem genauen Unfallbericht abhängt, ob einem die Versicherung Geld bezahlt. 

Deswegen wird das Thema an sich nicht besser, aber ich verstärke ihre Abneigung dagegen nicht auch noch.

Während ich die Situationen analysiere, in denen Streit entstanden ist, stelle ich auch immer wieder fest, dass ich in alte Muster zurück falle.

Ich reagiere so, wie es mein Vater oder meine Mutter bei mir gemacht haben.

Dies festzustellen ist manchmal bitter. Denn hier habe nicht wirklich ich selbst reagiert, sondern mein „anerzogenes“ Verhalten.

Ich vergebe mir selbst

Bei der ganzen Betrachtung und dem Analysieren meiner Beweggründe darf jedoch die Verzeihung nicht fehlen.

Ich vergebe mir selbst.

Ich bin nur ein Mensch, der gute und schlechte Tage hat. 

Im Anschluß entschuldige ich mich bei meinen Kindern, wenn ich zu dem Schluß gekommen bin, dass ich sie vielleicht etwas unfair behandelt habe.

Dankbarkeit

Nachdem ich mir selbst für bestimmte Verhaltensweisen oder Reaktionen vergeben habe, widme ich mich dem Thema Dankbarkeit. 

Dankbarkeit spielt in unserem Familienleben eine große Rolle und gehört auch bei meiner Reflexion dazu. Ich blicke auf all die Dinge für die ich dankbar sind.

Das sind eine ganze Menge.

Wenn man sich dies wirklich bewusst macht, wirken auch die Situationen in denen ich unzufrieden mit mir selbst war, vergleichbar klein.

Nach all diesen Prozessen der Rückbetrachtung ist mein seelisches Gleichgewicht wieder hergestellt und ich blicke positiv in die Zukunft.

Nicht ganz ohne Plan.

Natürlich nehme ich mir vor, in Zukunft in einer ähnlichen Situation anders zu handeln, eine andere Wortwahl zu verwenden, mehr Geduld auf zu bringen etc.

Das gelingt nicht zwangsweise in dem nächsten schwierigen Moment, aber ich werde mir schneller bewusst, dass hier und jetzt gerade etwas anders hätte laufen können.

Kinder und Selbstreflexion

Dadurch dass ich mir selbst relativ häufig mittlerweile den Spiegel vorhalte und ich dies auch manchmal vor meinen Kindern mache, fangen meine Kinder auch langsam damit an.

Oft während unserem gemeinsamen Essen, beginnen sie über Situationen zu sprechen, in denen sie sich unwohl gefühlt haben, oder in denen es zum Streit gekommen ist. Sie erzählen, wie sich gefühlt haben, als ihre Freundin etwas bestimmtes gesagt hat und denken darüber nach, ob sie anderes hätten reagieren können.

Das gibt mir das gute Gefühl, dass meine Kinder zu eigenständigen Persönlichkeiten heranwachsen, die sich auch selbst hinterfragen. 

Vielleicht konnte ich Dich jetzt dazu ermuntern, etwas Selbstreflexion zu betreiben, wenn Du wieder einen schlechten Tag hattest?

Probier es aus und verzeihe dir selbst!

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