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Auf den Hund gekommen……

Bevor ich anfange, ein Herzliches Danke an Marion Flemming Fotografie aus Hamburg , die uns die Bilder zur Verfügung gestellt hat.

Sind wir ja eigentlich schon vor zwölf Jahren.

Damals hatten wir aber noch keine Kinder und ich muss zugeben, wir waren im Nachhinein betrachtet von unserem ersten Hund sehr verwöhnt, aber das weiß man natürlich erst, wenn man feststellt, dass es auch anders sein kann.

Man hört ja immer diesen Spruch, wenn man einmal einen Hund als Familienmitglied hatte, wird man sich immer wieder einen Hund zulegen. Ich dachte die erste Zeit lang, nachdem unser Hund verstorben war, lass die doch reden. Aber ich muss zugeben, dass dachte ich tatsächlich nur eine kurze Zeit, bevor wir wieder anfingen mit dem Gedanken zu spielen uns wieder einen Hund anzuschaffen.

Auch ohne Langeweile

Es ist ja auch nicht so, dass es bei uns in der Familie jemals langweilig wird, mit zwei Kindern im besten Alter.

Im Moment liegt das beste Alter bei unseren zwei Mädels bei sechs und vier.

Ich schreibe mit Absicht „bestes Alter“, denn seit dem die Große auf der Welt ist, also seit sechs Jahren, sagen mir immer wieder alle möglichen Leute, dass sei das beste und schönste Alter und natürlich, dass man es genießen soll und dass alles leichter wird, wenn sie mal größer sind. Scheinbar ist für jeden das „beste Alter“ eines Kindes ein anderes oder  dieses „beste Alter“ endet nie. Ich für meinen Teil habe noch nicht herausgefunden, ab wann es tatsächlich leichter wird, es wird bisher einfach nur anders, genauso wie ich noch nicht herausgefunden habe, wann denn nun tatsächlich dieses „beste Alter“ bei Kindern ist. Vielleicht kann ich Ihnen das in ein paar Jahren ja sagen.

Nun aber mal zurück zum Thema Hund.

Als unser alter Labrador Leo im Alter von 10 Jahren verstorben ist, war unsere Große vier und die Kleine zwei. Die Kleine hat das nicht so mitbekommen, aber die Große hat sehr gelitten, er war wie ein Bruder für sie. Ab dem Zeitpunkt als sie genauso groß war, wie der Hund, hat sie immer die Leine beim Gassi gehen gehalten und sie lag auch oft in seinem Körbchen und ist manchmal sogar dort eingeschlafen. Aber wie bereits erwähnt, wir waren mit unserem alten Hund sehr verwöhnt, er war sehr brav und gutmütig.

Nachdem nun unsere Große, und zugegeben auch wir, sehr darunter gelitten haben, dass kein Hund mehr im Haus ist, haben wir nach zwei Jahren Hundeabstinenz uns dazu entschieden wieder einen Hund bei uns einziehen zu lassen.

Zunächst stellte sich uns die Frage, welche Rasse es denn sein sollte. Da wir sehr gute Erfahrungen mit Labrador als Familienhund gemacht haben, wollte ich wieder einen Labrador. Mein Mann aber  wollte keinen reinrassigen Hund mehr, da unser alter Krebs bekommen hat und deswegen nur 10 Jahre gelebt hat. Angeblich sind ja Rassehunde da deutlich empfindlicher. So einigten wir uns darauf, dass es ein Mischling werden sollte, bei dem ein Labrador mit drin ist.

Dann ging es los, wir durchstöberten sämtliche Seiten des Internets, mein Mann ging ins Tierheim und schaute sich da um, natürlich ohne mich und die Mädels, er wollte wohl nicht gleich fünf Hunde mit  nach Hause nehmen.

Auf Quoka wurden wir dann fündig, ein Mischling aus Labrador und Jackrussel, einige Wochen alt und putzig anzusehen, mit seinem schwarzen Fell mit weißer Brust und Socken und Knopfaugen. Dann ging alles ganz schnell. Die Besitzerin wollte ihn wohl möglichst schnell los werden. Das kam uns dann teilweise schon ein bisschen sonderbar vor und wir hatten ein mulmiges Gefühl, aber bevor so ein kleines Wesen zum Schluss noch im Tierheim landet, nahmen wir ihn natürlich.

Ich frage mich heute noch, ein halbes Jahr später, immer wieder, wie es gehen kann, dass die Mutter ein Labrador und der Vater ein Jackrussel ist. Ich versuche mir das ja dann bildlich vorzustellen, vielleicht haben Sie ja eine Idee.

Zunächst aber musste für den Familienzuwachs ja jetzt ein Name her, was zu heißen Diskussionen führte. Zunächst hieß der Hund dann Milo, wie der Sänger. Der Name wurde aber dann umgeändert in Buddy, denn schließlich ist ja Bud Spencer dieses Jahr gestorben. Und ich muss zugeben, dass dieser Name auch zu ihm  passt, denn er ist schon ein richtiger Haudegen.

Nun verbrachte ich also wieder meine Nächte damit, alle drei Stunden aufzustehen und den Hund rauszusetzen.  Ich kann Ihnen sagen, das ist vielleicht kräftezehrend. Da ist dann auch nix mehr mit dem Mutterinstinkt, den man bei Säuglingen hat. Jede Nacht war eine Qual. Aber es hat sich gelohnt, er ist dann ziemlich schnell stubenrein geworden.

Das ist aber auch scheinbar das einzige was unser Buddy schnell gelernt hat. Den ganzen Rest lernt er dann nicht so schnell, bzw. will ihn nicht einfach nicht lernen. Am Anfang dachte ich ja noch, dass er vielleicht ein bisschen doof ist und er deshalb einige Sachen nicht lernt, z.B. das man nicht an Menschen hochspringen darf und sie anbeißen darf. Mittlerweile bin ich aber davon überzeugt, dass er es einfach nicht lernen will, denn doof ist er nicht. Ich habe ihm ein Intelligenzspielzeug für Hunde gekauft, in der Hoffnung, dass ich mal 10 Minuten vielleicht Ruhe habe, wenn er damit beschäftigt ist. Das ist so ein Teil, wo man Leckerlis unter Klappen verstecken muss, diese muss er dann mit der Schnauze aufhebeln oder zur Seite schieben. Ich habe auf die Uhr gesehen, es hat genau 40 Sekunden gedauert, bis er alle Leckerlis hatte. Nix mit doof.

Jetzt verbringe ich meinen einzigen freien Vormittag  der Woche, an den anderen vier Tagen bin ich in der Arbeit, auf dem Hundeplatz. Aber man ist ja schließlich an der frischen Luft und hat Bewegung, nicht dass es mir vorher daran gemangelt hätte, aber ich muss mir das schon ein bisschen schön reden, damit die Motivation nicht leidet.

Das Erstaunliche ist ja, dass unser Buddy auf dem Hundeplatz und besonders bei Birgit, der Hundetrainerin tatsächlich auch ein braver Hund sein kann. Das weiß er scheinbar nur nicht mehr, sobald er den Hundeplatz verlässt.

Haben Sie eigentlich eine Vorstellung, wie es ist, wenn man mit zwei Mädels im besten Alter und einem Hund, oder besser gesagt, unseren Hund, Auto fährt? Ich weiß jetzt in etwa wie abgestochene Schweine schreien, oder zumindest stelle ich es mir genauso vor. Da dreht man dann gerne Let it go von der Eiskönigin zum hundertsten Mal auf volle Lautstärke. Und selbst da hat man Buddys Gejaule noch deutlich hervor gehört. Ich bin ja zugegebenermaßen ein sehr sturer Mensch, das liegt vielleicht tatsächlich daran, dass ich Stier vom Sternzeichen bin. Aber es hat sage und schreibe 6 Wochen gedauert, bis Buddy sich dem Schicksal des Autofahrens gefügt hat. Sie können sich nicht vorstellen, wie oft ich in dieser Zeit an einem Tierheim vorbei gefahren bin, aber angehalten habe ich dann doch nie.

Der Alltag mit einem erziehungsresistenten Hund stellt einen vor ganz neue Probleme. Zum Beispiel war es so gut wie unmöglich in den ersten Wochen so alltägliche Dinge wie Wäsche aufzuhängen zu meistern. Es reichte, dass Buddy sah, dass ich mit dem Wäschekorb um die Ecke kam, schon sprang er unentwegt an mir hoch. Sobald man den Wäschekorb hinstellte, ging es nur noch darum, die Wäsche vor ihm zu retten oder, falls ich zu langsam war, rannte ich ihm quer durch den Garten hinterher , um ihm seine erbeutete Wäsche abzunehmen. Hatte ich dann die Wäsche vor ihm gerettet, kam das nächste Problem, wenn die Wäsche auf der Wäschespinne hing hüpfte er ständig hoch und zerrte daran. Besonders die längeren Teile wie Hosen oder Handtücher hatten es ihm angetan. Man glaubt auch gar nicht, wie hoch ein so kleiner Hund hüpfen kann, ein Gummiflummi ist nichts gegen unseren Buddy. Vier ganze Monate haben wir gekämpft , bis er verstanden hat, dass das nicht seine Wäsche ist. Meine Mädels haben in dieser Zeit sehr viele neue Strumpfhosen bekommen, die fand er aus irgendeinem Grund besonders toll. Manchmal habe ich mich bei dem Gedanken erwischt, dass ich die Strumpfhosen einfach gar nicht mehr wasche, sondern gleich wegschmeiße, da die Wahrscheinlichkeit sehr hoch war, dass Buddy sie frisch gewaschen klaut und zerreißt. Unsere Nachbarn jedenfalls fanden uns sehr amüsant, ich leider aber nicht.

Seitdem wir Buddy haben, werde ich ja sehr oft gefragt, wie das Leben mit Hund so ist. Ich antworte dann immer „ganz schrecklich“. Die Leute schauen dann immer ganz irritiert. Kennen Sie das? Das ist so, wenn jemand Sie fragt „Wie geht es Ihnen?“ und sie antworten mit „schlecht“. Die Menschen erwarten aus irgendeinem Grund einfach, dass man bei so Höflichkeitsfragen auch höflich mit „gut“ oder „alles super“ antwortet. Das habe ich mir abgewöhnt, ich sage prinzipiell die Wahrheit und bei dem Thema Hund erst Recht.

Ich werde Sie weiterhin auf dem Laufenden halten, aber nun sollte ich doch besser mal nach Buddy schauen, es ist verdächtig still und das ist wie bei den Kindern im besten Alter, das bedeutet nichts Gutes. Wahrscheinlich hat er einen Kinderschuh zum Fressen gefunden oder buddelt wieder einen Krater in den tollen Rasen meines Mannes, damit ich dann natürlich wieder Schuld bin.

Bis ganz bald und achja, schaffen Sie sich in der Zwischenzeit bloß keinen Hund an, solange Sie nicht die ganze Wahrheit kennen.