Wir befinden und jetzt in der achten Woche der „Corona-Quarantäne“.

Im Grunde bin ich ein positiv denkender Mensch und glaube auch immer daran, dass alles ein gutes Ende nehmen wird. Ich war schon oft in meinem Leben in Situationen, die ausweglos erschienen und habe die Erfahrung gemacht, es geht auch wieder „bergauf“.

Seit der zweiten Woche in Quarantäne schlafe ich schlecht. 

Warum?

Angst.

Ja, ich habe Angst.

Und wenn ich als Erwachsene Angst habe, dann haben meine Kinder bestimmt auch Angst. Für sie ist es noch viel weniger greifbar als für mich. Sie können die Quarantänezeit noch weniger nachvollziehen.

Natürlich haben wir mit unseren Kindern von Anfang an gesprochen und sie aufgeklärt. Wir haben versucht ihnen die Ängste zu nehmen. Dennoch bin ich mir sicher, dass auch sie nach wie vor Angst haben.

Deswegen haben wir in der zweiten Woche begonnen, ein kleines Angstritual durchzuführen.

Wir haben uns gemeinsam mit Stiften und Zetteln an den Tisch gesetzt und jeder hat eine Angst auf einen Zettel geschrieben.

 

Es sind doch ganz schön viele Zettel geworden:

Kein Mensch soll an Corona sterben. Oma und Opa sollen gesund bleiben. Wie bewältigen wir die Krise finanziell? Wann darf ich meine Freunde wieder sehen? Vielleicht sehe ich Oma und Opa nie wieder oder ich darf meine Freunde nie wieder sehen. Wie soll der Schulübertritt jetzt werden? Vielleicht mögen mich meine Freunde nicht mehr, wenn ich sie wieder sehe. Was passiert, wenn Mama oder Papa sterben?

Dies sind nur einige von den Ängsten, die uns bzw. die Kinder beschäftigen. Und jeder einzelne davon ist es wert, gehört zu werden und auch ernst genommen zu werden.

Danach haben wir über die Ängste gesprochen. Jeder konnte seine aufgeschrieben Angst vorlesen, wenn er wollte. Es waren auch Ängste dabei, die wir nicht vorlesen wollten. Im Übrigen nicht nur meine Kinder, auch ich wollte nicht alle Ängste mit der Familie laut teilen. Aber das war auch okay so. Nachdem wir sie vorgelesen hatten und darüber gesprochen hatten, haben wir die Zettel zerrissen und in eine Schüssel gelegt.

 

Mit den ganzen Zetteln in einer Schüssel sind wir dann in den Garten gegangen und haben die Ängste dort in einem feuerfesten Eimer verbrannt. Meine Mädels durften das Feuer anzünden.

Wir haben beobachtet, wie die Angst verbrennt und der Rauch in die Luft steigt. Wie der Rauch wegzieht und am Schluß nur noch Asche zurück bleibt.

Meine zwei Kinder fanden dieses Ritual sehr schön und wollten es gleich am nächsten Tag wieder machen.

Natürlich ist uns klar, dass die Ängste so nicht komplett verschwinden.

Aber es ist für uns ein Weg geworden über unsere Ängste zu sprechen und sie so anzunehmen. Allein dadurch, dass wir darüber gemeinsam gesprochen haben und zu sehen, wie sie sich in Rauch verwandeln, hat die Ängste ein bisschen abgemildert.

Wie geht ihr in eurer Familie in dieser Krisenzeit mit der Angst um? 

 

 

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