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Weihnachtsmann oder Christkind?

Diese Frage stellte sich bei uns erst gar nicht.
In meiner Kindheit gab es bei mir zu Hause das Christkind, ja so richtig traditionell, mit Glöckchen klingeln usw.. Deshalb war für mich von Anfang an meines „Mama-Daseins“ klar, dass es bei meinen Kindern auch das Christkind geben wird.
Jetzt, wo es draussen wieder kälter wird (und auch dunkler) stimmen wir uns auf die Weihnachtszeit ein. In dem Artikel Wunschzettel schon geschrieben, habe ich ja bereits festgestellt, dass diese Vorweihnachtszeit oft alles andere als besinnlich ist.

Unterschiedliche Traditionen

Tatsächlich habe ich in den vergangenen Jahren festgestellt, dass sich bei der Frage nach Christkind oder Weihnachtsmann die Geister extrem unterscheiden. Genauso wenig war mir klar, was für hitzige Diskussionen zu diesem Thema geführt werden.
In einigen Familien kommt der Weihnachtsmann und in anderen eben das Christkind. Ich finde wir sollten jeden Menschen Weihnachten so feiern lassen, wie derjenige es am schönsten findet. Warum muss man darüber diskutieren?

Wie gehen Kindern mit den verschiedenen Traditionen von Weihnachten um

Letztes Jahr kam dann auch von meiner großen Tochter, jetzt im besten Alter von sieben Jahren, die Frage, warum bei uns denn das Christkind kommt, bei ihrer Freundin käme jedes Jahr der Weihnachtsmann. Anfangs wusste ich auf die Schnelle keine Antwort, deshalb habe ich die „Antwort“ auf den Abend vertagt. Das mache ich im übrigen häufiger bei etwas schwierigen Themen. Du musst wissen, meine beiden Töchter haben die schöne Angewohnheit mir am liebsten Fragen zu etwas empfindsamen Themen zu stellen, wenn wir gerade im Auto sitzen und kurz vor dem Ziel sind.
Am Abend habe ich ihr dann erklärt, dass bei uns das Christkind kommt, da es ja aber nicht zu allen Kindern am 24. Dezember kommen kann, hat es einen sehr guten Freund, den Weihnachtsmann. Diese Beiden teilen sich dann das „Geschenke verteilen“. Diese Erklärung fand sie einleuchtend und meinte, dass die zwei, also das Christkind und der Weihnachtsmann schon ein cooles Team seien.

Was passiert wenn die Kinder verstehen, dass es das Christkind nicht gibt?

Das weiß ich nicht.
Ich habe mir schon anhören müssen, dass meine Kinder dann desillusioniert werden und die aufkommende Lüge vom Christkind würde zu einem großen Vertrauensbruch führen. Natürlich hat hier jeder seine eigene Meinung. Ich persönlich denke das aber nicht. Wie gesagt, ich selbst bin mit dem Zauber des Christkinds groß geworden und kann mich an kein schlimmes traumatisches Ereignis erinnern, als ich herausfand, dass das Christkind nicht existiert.

Die Fantasie der Kinder

Generell, nicht nur bei dem Thema Weihnachten, führe ich meine Kinder oft und auch gerne in das Reich der Fantasie. So glauben meine zwei Töchter teilweise immer noch, dass ich zaubern kann. Als meine große Tochter festgestellt hat, dass sich das Garagentor nicht nach einem „Wuza“ Ausspruch von mir öffnet, sondern dass ich dazu auf einen Knopf drücke, hat sie auch kein traumatisches Erlebnis gehabt. Im Gegenteil, sie war stolz, dass sie meinen kleinen Trick durchschaut hat und hat lange ihrer kleinen Schwester davon nichts verraten.
Wir erzählen uns manchmal gegenseitig Fantasiegeschichten, die wir uns ausdenken und was soll ich sagen: die besten Geschichten kommen eindeutig von meinen beiden Mädels.
Das Leben heutzutage für Kinder ist doch oft stressig genug und oft bekommen sie in ihren wenigen Lebensjahren schon genügend Druck zu spüren. Das stelle ich jetzt ganz besonders bei meiner großen Tochter fest, seit dem diese in die Schule gekommen ist.
Bei uns fällt oft der Spruch „In meiner Welt ist das so…“, damit ist uns und auch vielen außen Stehenden klar, dass hier eine Grenze zwischen Realität und Fantasie überschritten wird.
Selbstverständlich wurde ich schon von meinen Töchter danach gefragt, meistens nachdem sie mit ihren Freundinnen darüber geredet hatten, ob es denn „Magie und Zauberei“ wirklich gibt. Meine Antwort lautet dann immer: „Luft und Liebe kann man nicht sehen, aber man kann sie atmen und spüren. Genauso kann man die Magie, Zauberei und Fantasie oft nicht sehen, das heißt aber noch lange nicht, dass es sie nicht gibt.“
Ich vertrete die Meinung: lasst uns noch mit unseren Kindern etwas im Reich der Fantasie und Märchen verweilen, dazu gehört für unsere Familie eben auch das Christkind.

Den Zauber aufrechterhalten

Von Jahr zu Jahr wird es schwieriger, den Glauben an das Christkind aufrecht zu erhalten. Letztes Jahr hat sich jemand von uns aus der Kirche zurück nach Hause „gestohlen“, um die Geschenke unter den Baum zu legen und noch ordentlich Christkindstaub zu verteilen. Meine Kinder bekommen dank ihrer Wunschzettel, die wir an die himmlische Postfiliale schicken auch Post vom Christkind. Dank solcher Kleinigkeiten ist selbst meine große Tochter noch fest davon überzeugt, dass es das Christkind gibt, und dass, obwohl ihr bereits ein älteres Mädchen versucht hat das auszureden.
Ich freue mich über jedes Jahr, an denen ich Ihnen noch den Glauben an das Christkind und den damit verbundenen Zauber möglich machen kann. Denn wenn sie dann am 24. Dezember den Christkindstaub entdecken sehe ich, wie ihre Augen zu leuchten anfangen.

Die Geschenke kommen vom Christkind

Mir ist es wichtig, dass meine Kinder wirklich glauben, dass die Geschenke vom Christkind kommen. Deswegen gibt es bei uns auch nur am heiligen Abend Geschenke und nicht dann noch ein paar am 1.oder 2. Weihnachtsfeiertag. Sie bekommen auch nicht wahnsinnig viele Geschenke, sie sollen schon verstehen, dass es an Weihnachten nicht nur um das Geschenke bekommen geht. Jede bekommt nur zwei, bzw. maximal drei Päckchen. Meine beiden Mädels wissen auch nicht von wem welches Geschenk ist, also bei uns gibt es kein „Das ist das Weihnachtsgeschenk von Oma X und das von Oma Y“. Als wir diese Regel eingeführt haben, kamen schon die ein oder anderen sonderbaren Blicke. Wir möchten einfach nicht, dass der eine oder andere sich „beliebter“ bei den Kindern machen kann, in dem er das bessere Geschenk kauft. Außerdem wäre es ja nicht logisch erklärbar, wenn wir unseren Kindern erzählen, dass die Geschenke vom Christkind sind. Ein weiterer Grund für diese Regel war, dass ich einfach sehe, wieviele Spielsachen sich so in dem Kinderzimmer anhäufen, mit denen teilweise gar nicht gespielt wird, ja auch bei uns. Ich nehme unsere Familie da nicht aus, meine Kinder haben viel zu viel. Bekommen meine zwei Töchter hingegen nur zwei Päckchen, sind diese dann viel interessanter.

Das Ritual des Auspackens

Da der Weihnachtstag in unserer Familie ein ganz besonderer Tag ist, soll auch das Auspacken der Geschenke besonders sein. Das wird bei uns richtig ritualisiert. Es gibt Glühwein, o.k. für die Kinder gibt es Kinderpunsch und Plätzchen, anschließend darf immer ein Kind im Wechsel ein Geschenk unter dem Baum hervor holen und versuchen rauszubekommen, für wen das Päckchen bestimmt ist. Erst wenn der Beschenkte das Päckchen geöffnet hat, darf das Nächste geholt werden.
Natürlich wird im Anschluss dann gemeinsam alles bestaunt und damit gespielt.
Denn das wichtigste an Weihnachten ist doch, dass wir den Zauber des Festes gemeinsam genießen und gemeinsam eine schöne Zeit miteinander verbringen dürfen und uns so wunderbare, einzigartige Erinnerungen sammeln.

Neue Mythen und Traditionen

Da wir in unserer Familie eigene Regeln für unser gemeinsames Weihnachtsfest aufgestellt haben, haben wir unsere eigene neue Tradition gegründet. Selbstverständlich heißt das nicht, dass es für immer und ewig bei dieser Tradition des Weihnachtsfestes bleiben wird. Vielleicht verändert sich der Ablauf von unserem heilig Abend ja bereits schon zu dem Zeitpunkt, an dem die Kinder nicht mehr an das Christkind glauben.
Aus Versehen ist bei uns auch ein neuer Mythos über das Christkind entstanden. Meine beiden Mädels spielen jedes Jahr im Krippenspiel unserer Kirche mit, dort sind zwei von den Engeln. Natürlich wird da die Wochen vorher schon geübt und gesungen, was das Zeug hält. Deshalb geht unsere gesamte Familie am 24. Dezember gemeinsam am Nachmittag in die Kirche um dort das jährliche Krippenspiel zu bewundern. In unserem Dorf kommen anschließend, nach dem Krippenspiel die Böllerschützen vor die Kirche und legen eine kleine, laute Performance hin. Als meine Kinder anfangs danach fragten, warum diese Männer denn nun anfangen zu schießen, wollte ich ihnen gerne erklären, damit das Christkind den Weg zu uns ins Dorf findet und nicht vorbeifliegt. Auf Grund des ganzen Lärms um uns herum, haben meine zwei Töchter aber verstanden, dass das Christkind vom Himmel „heruntergeschossen“ wird, damit es zu uns kommen kann. Ich habe noch versucht das richtig zu stellen, aber wie das bei zwei kleinen Steinböcken nun mal so ist, ließen sie sich nicht beirren und glauben auch heute noch standhaft an das Herunterschiessen des Christkinds.

 

Generell wünsche ich mir, dass bei diesem Thema jeder auf sein eigenes Bauchgefühl hört und den 24. Dezember so gestaltet, wie es ihm und seiner Familie am Besten gefällt.

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen, egal ob ihr Weihnachten feiert oder nicht, ob bei Euch der Weihnachtsmann oder das Christkind kommt, eine schöne Weihnachtszeit, in der ihr hoffentlich viel Zeit mit eurer Familie verbringen dürft.

Bis bald
Eure Sabine