Man hofft es nicht, dass man seinem Kind Tabletten geben muss. Leider zeigt die Zeit, dass irgendwann immer der Zeitpunkt kommt, an dem man seinem Kind irgendeine Medizin geben muss. Und manchmal eben auch in Tablettenform.

Es soll ja auch Kinder geben, die ohne mit der Wimper zu zucken, dann diese Tablette schlucken. Meine Tochter gehört nicht dazu.

Lange hatten wir immer das Glück, dass die Medizin, die benötigt wurde, in Saftform erhältlich war.

Wenn es denn eine Medizin war, die es nur in Tablettenform gab, klärte ich immer mit dem Arzt und der Apothekerin, ob man diese Tabletten zerkleinern konnte und untermischen konnte (zum Beispiel in Apfelmus).

Als meine Tochter aber dann einmal über etliche Wochen ein Antibiotikum einnehmen musste, auf Grund von einer Borrelioseerkrankung, wollten wir den Darm – leider reagiert sie sehr empfindlich mit ihrem Darm auf Antibiotika – etwas unterstützen. Dieses Mittel gab es nur in Tablettenform, besser gesagt, waren es „Riesenkapseln“ in den Augen meines Kindes.

Sie probierte immer wieder die Kapsel zu schlucken, leider ohne Erfolg. Es würgte sie und sie musste sich übergeben.

Auch hier konnte ich nach Rücksprache die Kapsel öffnen und den Inhalt in Joghurt oder Apfelmus einrühren. Leider schmeckte es extrem nach Hefe und nun war es wegen dem Geschmack für meine Tochter schwer zu schlucken.

Zu diesem Zeitpunkt beschloss ich das „Tablettenschlucken“ mit meinem Kind zu üben und hob mir die leeren Kapseln auf.

Schluckhilfe

Zunächst ging ich in die Apotheke und ließ mich dort beraten. Heraus kam ich voller Freude mit einer sogenannten „Schluckhilfe“. Hier quetscht man die Kapsel oder Tablette durch eine Vorrichtung, so dass sich ein Überzug über die Kapsel legt. 

Dieser Überzug soll den Speichelfluss im Mund anregen und gibt der Kapsel zudem eine glatte Oberfläche, so dass das Hinunterschlucken einfacher sein soll.

Außerdem hat er einen leicht zitronigen Geschmack.

Zu Hause angekommen, überzog ich eine leere Kapsel mit dieser Schluckhilfe und gab sie meinem Kind mit reichlich Wasser zum nachspülen.

Leider hatten wir das gleiche Ergebnis: sie würgte und musste sich fast übergeben. Die Kapsel war dennoch nicht ihren Hals hinunter gewandert.

Außerdem protestierte sie lautstark über den scheußlichen Geschmack. Ich selbst probierte nun die Kapsel mit dem Überzug – natürlich machte ich mir selbst eine Neue. So schlimm fand ich den Geschmack nicht, o.k. es schmeckte nach künstlicher Zitrone, aber meines Erachtens war es o.k..

Aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden und hier gingen die Meinung von meiner Tochter und mir stark auseinander.

Nach diesem nicht sehr zufrieden stellendem Ergebnis meiner „Tablettenschluckübung“ machten wir erstmal eine mehrwöchige Pause.

Smarties und M&Ms

Irgendwann kam mir dann die Idee, es einmal mit kleinen Smarties zu probieren. Die aus den kleinen Packungen und nicht die Großen aus der Rolle.

Du kannst dir sicherlich vorstellen, dass die Augen meiner Tochter hell geleuchtet haben, als ich sie wieder zu mir rief um das „Tablettenschlucken“ zu üben und sie die Smarties entdeckte.

Leider war hier dasselbe Ergebnis: würgen und fast übergeben.

Aber zumindest hatten wir das Problem mit dem Geschmack gelöst.

Und auch ihre Motivation war wieder etwas nach oben geschnellt, sich auf solche „komischen Versuche“ wie sie es nannte, ein zu lassen. Natürlich durfte sie nach jedem „Schluckversuch“ noch ein paar Smarties essen als Belohnung für ihr Bemühen. 

32mal gekautes Essen

Eines Abends beim Abendessen kam mir dann eine weitere Idee um das „Tablettenschlucken“ noch weiter zu üben.

Meine zwei Mädels wissen, auch wenn sie es nicht wirklich machen, dass jedes Essen 32mal gekaut werden sollte, bevor man es schluckt. Das habe ich ihnen einmal erzählt, ach was, bestimmt mehrmals, wenn sie wieder ihr Essen förmlich hinuntergeschlungen haben.

Also ließ ich sie ihr Essen 32mal kauen und wenn sie meinten, so würden sie den Bissen nun hinunterschlucken, ließ ich es sie auf einen großen Löffel ausspucken.

Du kannst mir glauben, dass ich das nicht besonders appetitlich fand. Und wenn ich sage, dass es unapettittlich war, ist das wohl noch stark untertrieben, denn wie du vielleicht schon das ein oder andere Mal mitbekommen hast, finde gerade ich, die Ausscheidungen meiner Kinder egal welcher Art extrem ekelig.

Das Spiel mit dem Essen auf den Löffel spucken haben wir das ganze Abendessen betrieben, was meine zwei Mädels im Übrigen sehr lustig fanden, im Gegensatz zu mir.

Aber sie waren doch ganz entsetzt, welche großen Bissen sie selbst, wenn es schon gekaut war, hinunterschlucken. Im Anschluss legte ich dann eine leere Kapsel daneben und sie haben gesehen, dass diese deutlich kleiner war, als das Essen was sich auf dem Löffel befand.

Sofort nach dem Abendessen haben wir dann versucht die kleinen Smarties mit Wasser zu schlucken. 

Und siehe da, es ging ohne Probleme. Auch hieraus haben wir ein kleines Spiel gemacht: sie durften für jedes, im Ganzen geschlucktes Smarties, zwei Stück anschließend normal essen.

Im Anschluss haben wir das Spiel nochmal mit großen Smarties gemacht und danach noch ein paar Mal mit einer leeren Kapsel.

Es klappte einwandfrei.

Meine Kinder mussten es einfach mit eigenen Augen sehen, wie groß normalerweise Bissen sind, die sie im Normalfall ohne Probleme schlucken können.

Nachdem sie diese Erkenntnis hatten, gab es seitdem nie wieder ein Problem mit Tabletten oder Kapseln schlucken.

Hoffentlich brauchen sie so schnell nicht wieder Tabletten schlucken, aber für den Fall, dass es doch wieder sein muss, sind wir jetzt vorbereitet und können entspannter an das Thema herangehen.

 

Musste dein Kind schon mal Tabletten schlucken und hat das sofort funktioniert?