Sollen Kinder Skifahren lernen?

Diese Frage kann ich für meine Kinder mit einem klaren JA beantworten.

Wenn wir vielleicht in einem anderen Bundesland oder hoch oben im Norden wohnen würden, dann würde die Sache eventuell anders aussehen.

Aber wir wohnen in Bayern und haben somit die Berge fast vor der Haustüre. Auch die Schneewahrscheinlichkeit im Winter ist ganz gut.

Dennoch fällt mir auch hier bei uns in der Region auf, dass viele Kinder nicht lernen Ski zu fahren.

Auch mein bester Ehemann der Welt, der beruflich ja tagtäglich als Fahrlehrer mit Jugendlichen unterwegs ist, berichtet, dass nur noch ganz wenige Jugendliche Skifahren gelernt haben.

Manchmal wenn ich erzähle, dass wir jedes Jahr in den Faschingsferien einen Skiurlaub machen, werde ich sonderbar angeschaut. Auch die Frage:  „ Habt ihr im Lotto gewonnen?“ kam schon mal.

Und hier sind wir wohl auch schon bei dem größten Vorurteil.

„Skifahren ist teuer!“

Kann es, muss es aber nicht.

Natürlich kostet so eine Skiausrüstung Geld. Besonders bei Kindern, die ja auf Grund ihres Wachstums jedes Jahr eine neue Ausrüstung benötigen.

Da habe ich bei zwei Mädels schon mal einen entscheidenen Vorteil. Bisher hat es immer funktioniert, dass die alte Skiausrüstung von meiner großen Tochter anschließend meiner kleinen Tochter passte. So benötigen wir jedes Jahr nur für ein Kind eine Ausrüstung. Diese Saison ist es sogar so, dass beide Ausrüstungen noch beiden Mädels passen, denn sie wachsen mittlerweile etwas langsamer. Lediglich neue Skischuhe wurden benötigt.

Skibasare oder „Ski-Tausch- Systeme“

Wir kaufen die Skiausrüstung von unseren Mädels immer auf einem sehr bekannten Skibasar.

Wahrscheinlich werden das diejenigen, die im Norden wohnen gar nicht kennen.

Hier kann man gebrauchte Skiausrüstungen günstig kaufen oder verkaufen. Das tolle daran ist, dass hier Fachpersonal und Skilehrer anwesend sind, die einem helfen mit der richtigen Größe und einen Blick darauf haben, ob die Sachen noch in Ordnung sind. Auch kann man die Skier und Schuhe gegen einen kleinen Betrag direkt vor Ort von einem Profi auf das Kind einstellen lassen.

Viele Sportgeschäfte bieten auch „Ski-Tausch-Systeme“ an. Dies ist so ähnlich wie bei einem Leasing. Man bezahlt einen gewissen Betrag, erhält eine aktuell passende Skiausrüstung, die man dann Ende der Saison zurück geben kann und im nächsten Jahr erhält man wieder eine passende Größe.

Da wir das selber nicht machen kann ich hierzu leider nichts zu dem Preis sagen. Aber ich habe jetzt schon von einigen Eltern gehört, dass es deutlich günstiger ist als die Sachen neu zu kaufen.

Es muss nicht immer ein riesiges Skigebiet in Österreich sein

Eine Liftkarte und eine Unterkunft in den Alpen kostet viel Geld. Aber es müssen nicht immer die Alpen sein. Ein kleines Skigebiet mit nur wenigen Liften reicht den Kindern vollkommen aus. Deswegen fahren wir nicht in die Alpen, sondern immer in den Bayerischen Wald. Das ist von uns aus gesehen nur einen Katzensprung weg. Dort haben wir ein tolles Feriendorf entdeckt, in dem uns eine schöne Ferienwohnung nur wenig kostet. Auch die Liftkarten sind günstig. In manchen Skigebieten dort sind Kinder bis sechs Jahre frei. Ein weiterer Vorteil, wenn man nicht in die Alpen oder nach Österreich fährt ist ganz klar, dass dort nicht so viele Touristen sind und man sicherlich zur Ferienzeit nicht im Stau steht.

Wenn wir mal nur für einen Tag fahren wollen, gibt es auch ganz in der Nähe einige kleine Skiliftbetriebe. Klar, da gibt es dann vielleicht nur einen Lift, aber den Kindern reicht das für einen Nachmittag vollkommen aus.

Besonders schön an diesen kleinen Skiliften ist der familiäre Charme. Oft steht die Oma am Liftverkauf, der Opa unten am Lift, der Vater oben am Lift und die Mutter verkauft Kinderpunsch und kleine warme Speisen. Man muss nur mal ins Internet schauen, da wird man garantiert fündig.Diese kleinen Betriebe haben nur geöffnet, wenn es genügend geschneit hat, da sie fast ganz ohne Kunstschnee auskommen.

Also, du siehst, Skifahren bedeutet nicht immer zwangsweise, dass man viel Geld ausgeben muss.

Vielleicht kommt irgendwann der Zeitpunkt, dass meine Kinder auch einmal in so ein riesiges Skigebiet nach Österreich wollen, dann können sie das auch gerne mal machen. Bei uns gibt es in fast jeder Gemeinde einen Schneesportverein. Dort kann man im Bus gemeinsam gegen einen nicht ganz so teuren Betrag dorthin fahren.

Jetzt magst du dich fragen, warum das alles? Ist es das wert?

Definitiv!

Skifahren macht glücklich

Die Kinder bewegen sich an der frischen Luft und in der Natur, was ja meistens leider im Winter etwas zu kurz kommt. 

Da es jetzt etwas ist, was man nicht unbedingt tagtäglich macht, ist es etwas Besonderes. Man behält es als eine besondere gemeinsame Familienaktivität in Erinnerung.

Skifahren fördert bei den Kindern die Koordination, Körperbeherrschung und das Gleichgewicht.

Außerdem ist es einfach ein ganz unbeschreibliches Gefühl, wenn man den Schnee unter seinen Brettern hat.

Für mich besonders wichtig ist das Gefühl, das man in den Bergen erlebt. Wenn man oben auf einem Berg ist, am besten noch in der Nähe des Gipfels, bekomme ich eine Gänsehaut. Die Aussicht ist einfach immer phänomenal. Es hat etwas Erhabenes und Majestätisches. 

Man wird sich wieder deutlich bewusst, wie klein man doch ist und über welche „kleinen Probleme“ wir uns manchmal grämen.

Der Blickwinkel ändert sich. 

Dieses Gefühl habe ich oft nur, wenn ich in den Bergen oder am Meer bin, diese unendlich Weite tut einfach meiner Seele gut.

Natürlich hat man dieses Gefühl auch im Sommer, wenn man wandern geht. Umso schöner ist es, wenn man es im Winter auch spüren kann.

Selbstverständlich weiß ich, das Skifahren ökologisch nicht gut ist, auf Grund der Energieverschwendung für Kunstschnee und Pistenraupen. In das Ökosystem der Berge wird hier vom Menschen massiv eingegriffen.

Deswegen betreiben wir es nur noch, ganz im Gegensatz zu meiner Sturm und Drang Zeit vor den Kindern, äußerst selten, eben einmal im Jahr in den Faschingsferien. Und wenn mal ausreichend Schnee liegt, dann einen Nachmittag bei einem kleinen Familienbetrieb.

Sicherheit geht vor

Wir wissen alle, das Skifahren auch gefährlich sein kann.

Aus diesem Grund sollte man hier besonders auf die Ausrüstung achten und sich von Fachpersonal beraten lassen. Jeder muss einen Helm tragen.

Eine ordentliche Skibrille ist auch zwingend erforderlich, sonst kann man manche Hügel nicht gut oder nur zu spät erkennen.

Ein hoher Sonnenschutz darf auch auf keinen Fall fehlen, da die Sonne über den Schnee reflektiert wird.

Meine Kinder haben zudem auch noch immer Funktionsunterwäsche und Skisocken an. 

Spaß steht an erster Stelle

Kinder können bereits ab 3 Jahren Skifahren lernen. 

Wichtig ist aber, dass sie selber Interesse daran zeigen und Spaß haben. Zwingt man sie dazu und haben sie keine Lust, wird es nicht funktionieren und Frust ist vorprogrammiert.

Manche Eltern bringen ihren Kindern das Skifahren selber bei.

Natürlich sind sie bei uns auch schon selber im Flachen auf den Skiern ein bisschen hin und her gerutscht und hatten viel Spaß.

Aber zum Erlernen für die richtige Technik haben wir uns dann doch für einen Skilehrer entschieden. Skilehrer sind dazu ausgebildet, die Technik kindgerecht zu vermitteln.

Zum Anfang haben wir nur eine Einzelstunde gebucht, so konnten die Kinder nicht überfordert werden und die Skilehrerin konnte sich ausschließlich um unsere Kinder kümmern.

Skifahren ist anstrengend

Im darauffolgenden Jahr haben meine zwei Mädels dann mit großer Begeisterung einen Skikurs besucht.

Dort üben sie in der Gruppe in einem extra abgesperrtem Bereich und sind so nicht auf dem direkten Pistenverkehr. Das Lernen in der Gruppe hat ihnen viel Spaß gemacht. Sie waren unter Gleichgesinnten und hatten so auch keinen Frust, weil sie es noch nicht so gut können wie die Eltern. Alle sind auf dem gleichen Stand.

Die Skikurse dauern nur 2-3 Stunden und das ist vollkommen ausreichend.

Skifahren ist richtig anstrengend. Andernfalls würden die Kinder heillos überfordert werden.

Wir haben den ersten Skikurs immer nur von einem Tag auf den anderen gebucht. So hat man die Möglichkeit erst einmal aus zu testen, ob das Kind wirklich Spaß dabei hat. Für einige Kinder ist es auch besser, wenn sie dazwischen immer einen Tag Pause machen.

Am Ende des Skikurses, auch wenn es nur 3 Tage sind, erhalten die Kinder meistens eine Medaille und eine Urkunde.

Auch meine zwei waren da natürlich wahnsinnig stolz.

Mittlerweile brauchen meine Kinder keinen Skikurs mehr und haben mehr Ausdauer als ich.

Ich selbst fahre seit meiner Jugend nur noch Snowboard und mein bester Ehemann der Welt fährt Ski.

Jetzt wirst du dich vielleicht fragen, warum lernen die Kinder dann Skifahren und nicht Snowboardfahren.

Snowboardfahren ist erst ab einem Alter von 6-7 Jahren gut möglich, da hier zusätzlich die Herausforderung besteht, dass man nicht, wenn nötig mit dem anderen Bein gegensteuern kann.

Dafür erlernt sich das Snowboardfahren nachdem man Skifahren kann deutlich leichter.

Ich selbst bin bereits zum ersten Mal mit zwei Jahren das erste Mal auf Skiern gestanden und auch mein Mann hat bereits früh in seiner Kindheit Skifahren gelernt. Wenn ich an unsere Skiausflüge in meiner Kindheit zurück denke, habe ich nur wunderschöne Erinnerungen, immer mit viel Spaß.

Vielleicht ist auch das der Grund, warum wir unseren Kindern Skifahren beibringen.

Kinder lernen es einfach leichter, sie gehen mit Spaß und ohne zu viel Nachdenken an neue Sportarten heran.

Wenn meine Kinder später einmal keinen Schneesport mehr machen möchten, dann ist das auch in Ordnung, aber wir haben ihnen die Möglichkeit dazu gegeben, eine Wintersportart zu lernen.

Wie ist das bei dir zu Hause?

Lernen deine Kinder Skifahren? Oder hast du selbst Skifahren gelernt?

4 Gedanken zu „Sollen Kinder Skifahren lernen?

  1. Toller Artikel mit tollen Eindrücken, da steigt die Wehmut. Ich habe selber mit drei Jahren (& gebrochenem Schlüsselbein) auf Skiern gestanden & wir sind auch regelmäßig aus dem Norden in die Berge gefahren. Ich freue mich jetzt schon darauf, mit Hugo das erste Mal Skifahren zu gehen & hoffe, es macht ihm genauso viel Spaß wie mir.
    LG, Richard & Hugo vom https://www.vatersohn.blog/

    • Lieber Richard,
      oje, das gebrochene Schlüsselbein klingt ja nicht so toll. Super, dass du trotzdem den Spaß am Skifahren nicht verloren hast.
      Auf die Zeit mit Hugo Skifahren kannst du dich auch freuen, wir haben jedesmal viel Spaß gemeinsam beim Skifahren.
      Ihr werdet bestimmt ganz tolle gemeinsame Erinnerungen sammeln.
      Vielleicht lese ich ja dann etwas über seinen ersten Ausflug auf Skiern.
      Liebe Grüße
      Sabine

  2. Hallo Bine,
    an sich alles nachvollziehbar und gerade bzgl. Spaßfaktor verständlich.
    Für uns ist aber der (schlechte) ökologische Faktor der ausschlaggebende Punkt, sich gegen das Skifahren (vorrangig) in den Alpen zu entscheiden.
    Gerade wenn man in Bayern in der Nähe der Alpen wohnt, erlebt man es hautnah mit, was es bedeutet, wenn sich jedes Wochenende eine Blechlawine (in Form immer größer werdender Autos) gen Berge und wieder zurück bewegt; und hierbei sind die jeweiligen Ferienzeiten noch nicht inbegriffen. Ich empfinde dies nur noch als Wahnsinn. Der Hype um Erlebnis-Hascherei nimmt immer weiter zu. Die Folgen sieht man im Sommer. Es müssen immer weitere Funparks und „Erlebnismaschinen“ erschaffen werden – auch im/für den Sommer. Jeder ist sich dabei selbst der nächste.
    Zurück zum Winter: schneesichere Gebiete werden immer kleiner und irgendwann vielleicht gar nicht mehr vorhanden sein. Wozu dann mit Skifahren anfangen? Um Kunstschnee zu verwenden, werden künstliche Seen geschaffen, die zusätzlich gekühlt werden; der restliche Schnee wird im Sommer in einem riesigen Kühlhaus aufbewahrt (und draußen sind 32°C).
    Wo soll das noch hinführen? Und haben wir als Eltern nicht auch eine Pflicht, bei unseren Kindern das Bewusstsein für ein nachhaltiges Leben zu schaffen und zu schärfen? Dann sollten wir bei uns anfangen.
    Ich weiß, Du schreibst, dass Ihr das nur 1x im Jahr macht, aber wie ist das bei den anderen? Es wäre schön, wenn jeder sich das vorher mal eine Minute länger überlegt und auch diesen Aspekt näher betrachtet. Vielleicht ist der eigene Spaß nicht immer der wichtigste Punkt, um etwas Bestimmtes zu unternehmen.
    Es gibt viele andere Erlebnisse, die man seinen Kindern naturnah und respektvoll „bescheren“ kann.
    Bitte nicht persönlich nehmen; ich wollte nur, dass die Leute, die das hier lesen, dies bei der bewussten Entscheidung mit bedenken.
    Liebe Grüße
    Jule

    • Liebe Jule,

      keine Angst, ich nehme das nicht persönlich.
      Eigentlich hat es mich sogar gewundert, dass in diesem Bezug noch niemand etwas geschrieben hat. Bereits im Vorfeld war mir eigentlich klar, dass dieses Thema stark polarisierende Meinungen hat.
      Natürlich hast du Recht und man darf den ökologischen Aspekt nicht vergessen. Ich habe das in dem Beitrag nur kurz angeschnitten.
      Auch wenn wir gerne Skifahren gehen, reduzieren wir als Familie das auf ein Minimum, eben nur einmal im Jahr und achten auch besonders darauf, wohin wir fahren.
      Deswegen fahren wir eben nicht in die Alpen, sondern zu den kleinen Familienbetrieben, die noch keinen Kunstschnee verwenden. Leider ist natürlich auch unklar, wie lange das so bleibt. Denn eines ist auch klar: Für diese Familien ist das Teil ihres Einkommens, auch wenn hier im Sommer die Kühe über die Wiesen laufen.
      Dieses Jahr war es tatsächlich so, dass es nur an zwei Tagen möglich war, Ski zu fahren. Es war einfach zu warm in den Faschingsferien und bereits am dritten Tag lag kaum noch Schnee.
      Dann sind wir eben zum schwimmen gegangen oder haben die Natur draussen genossen (wenn es gerade mal nicht geregnet hat).
      Du hast Recht, jeder sollte sich zu diesem Thema gut informieren und auch gut abwägen.
      Liebe Grüße
      Bine

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