Opto…Was?!

– Optometristische Untersuchung 

Vor einigen Wochen habe ich bei meinen zwei Mädels eine optometristische Untersuchung machen lassen.

Warum eine optometristische Untersuchung

Meine große Tochter kam dieses Schuljahr in die dritte Klasse. 

Schulkinder werden ja ständig gefragt: Und, was ist dein Lieblingsfach in der Schule? Die Antwort meiner Großen lautet immer: Mathe – Deutsch hasse ich!

Und genau das stelle ich auch tagtäglich bei den Hausaufgaben fest. Sie schreibt nicht gerne und liest auch nicht gerne.

Sehr zu meinem Leidwesen, da ich selbst ja Wörter, Schreiben und Lesen liebe.

Bereits in den ersten zwei Schuljahren hatte ich bei ihr das Gefühl, dass sie es nicht nur nicht leiden kann, sondern dass sie sich auch wirklich schwer damit tut. Aber natürlich hatte ich keinen wirklichen Vergleich. Sie war die letzten zwei Schuljahre nicht übermäßig gut in Deutsch, aber eben auch nicht übermäßig schlecht.

Ab und zu fiel mir auf, dass sie beim Lesen und Schreiben die Augen zusammenkniff und den Kopf leicht nach vorne und hinten bewegte.

Also war meine erste Anlaufstelle natürlich der Augenarzt. Hier bekam ich die Antwort, dass alles in Ordnung sei.

Bereits vor gut einem Jahr erzählte mir dann einmal eine Freundin, dass ihr Sohn Prismengläser in seiner Brille hätte und hier hörte ich auch das erste Mal das Wort „Winkelfehlsichtigkeit“.

So begann ich langsam zu recherchieren. Immer mal wieder las ich etwas über eine visuelle Analyse. 

Und wie das bei mir so ist, wenn ich einmal eine Fährte aufgenommen habe, bin ich wie ein Jagdhund. Ich kann das Thema nicht mehr loslassen, bis ich so viele Informationen wie möglich darüber gesammelt habe.

Als ich im Netz dann auch noch auf viele Aussagen gestoßen bin, wie „schlechte Konzentration“, „ungernes Lesen“, „Schwierigkeiten beim Schreiben auf der Linie zu bleiben“, „Fehler beim Abschreiben eines Textes“ und „motorische Unruhe beim Lesen“ war für mich klar, dass ich mit meiner Tochter zu einer optometristischen Untersuchung gehen sollte.

Und wenn es nur darum ginge, meine eigenen Unsicherheiten aus zu räumen.

Nachdem nun auch meine kleine Tochter dieses Schuljahr eingeschult wurde, beschloss ich, sie ebenfalls gleich mit zu nehmen.

Nun gut, der Preis hat mich anfangs noch etwas abgeschreckt. Da die Krankenkasse diese Untersuchung nicht bezahlt, muss man mit ca. 60-140€ pro Kind rechnen.

Der Preis variiert, denn wenn etwas festgestellt wird, wird noch weiter untersucht.

Optometrist

Anschließend ging es darum, einen Optometristen zu finden. Hier habe ich einfach bei uns viel rumgefragt und auch mal wieder das Netz durchwühlt, bis ich auf einen in unserer Umgebung, in der nächsten Stadt gestoßen bin, der auch noch einen guten Ruf hat.

Optometrist kann nur ein Augenoptikermeister/in werden. Da die Ausbildung in Deutschland noch nicht Gang und Gäbe ist, machen viele diese zusätzliche Ausbildung in England oder Amerika.

Hier gestaltete sich die Terminvereinbarung auch nicht als ganz einfach, da dieser Optometrist, zu dem ich wollte, stark ausgebucht ist und hinzu kommt, dass man mit einem Zeitaufwand von 1,5 Stunden pro Kind rechnen muss. Das waren dann bei uns eben 3 Stunden.

Wir haben dann noch einen passenden Termin gefunden, allerdings mit langer Wartezeit.

Nachdem ich den Termin hatte, schickte mir das Team des Optometristen Fragebögen zu meinen Kindern zu. Sehr ausführliche Fragebögen, auch welche, die  die Lehrkräfte ausfüllen mussten.

Spätestens hier war ich mir sicher, dass ich zumindest einen guten gefunden hatte, da sie sehr viele Informationen von meinen zwei Mädels bereits im Vorfeld haben wollten, um sich auf die Untersuchung gut vorbereiten zu können.

Die Funktionsweise des Sehens

Die Optometrie ist die Lehre der Messung von Sehfunktionen und widmet sich insbesondere dem beidäugigen Sehen.

Im ersten Moment als ich das gelesen habe, war ich leicht irritiert. 

Ein Augenarzt beschäftigt sich bei einer Augenuntersuchung meistens mit jedem Auge einzeln, um pro Auge entweder eine Weit- oder eine Kurzsichtigkeit festzustellen.

Die Optometrie befasst sich mit dem Gleichgewicht beider Augen zueinander. 

Dazu muss man wissen, dass jedes Auge 6 äußere Muskeln und einen Ziliarmuskel im Auge selbst hat. Das bedeutet, das im Idealfall alle zwölf äußeren Muskel miteinander im Gleichgewicht sein sollten, um gut sehen zu können.

Bei jedem Menschen ist aber die eine Gesichtshälfte nicht gleich der anderen Gesichtshälfte. Genauso ist es mit den Augen auch. Manche Muskeln sind stärker und andere schwächer.

Es ist also sehr unwahrscheinlich, dass die Augenmuskulatur exakt gleich stark ausgebildet ist. Bei 80% aller Menschen sind die Augenmuskeln nicht gleich stark belastet. Bei vielen Menschen ist das Ungleichgewicht nicht so gravierend, dass sie es nicht mit den anderen Muskeln ausgleichen könnten. 

Einige Menschen können es aber nicht ausgleichen und dann treten Beschwerden auf.

Bei Kindern kommt hinzu, dass jedes Kind erstmal stark weitsichtig auf die Welt kommt. Im Laufe der Jahre trainieren sich die Augenmuskeln.

Bei meinen beiden Töchtern ist es nun so, dass sie stärker Weitsichtig sind, als es altersentsprechend wäre, was leider dazu führt, dass sie ihre Augenmuskulatur falsch trainieren, da die Ausgangsposition, sprich das geradeaus Sehen, bereits nicht optimal ist.

Soviel im Übrigen zu der Aussage unserer Augenärztin, dass alles in Ordnung sei.

Natürlich konnte ich während der Untersuchung des Optometristen, als bereits klar war, dass beide Kinder mehr als altersentsprechend weitsichtig sind, meinen Unmut über unsere Augenärztin nicht im Zaum halten und habe ihm erzählt, dass unsere Ärztin meinte, dass alles in Ordnung sei.

Er wies mich vorsichtig daraufhin, wielange er jetzt schon untersuchen würde (nach ca.45 Minuten) und fragte, wie lange denn die reine Untersuchung bei meiner Augenärztin gedauert hätte. So genau weiß ich es nicht mehr, aber ich schätze, dass es nicht mehr als 10 Minuten reine Untersuchungszeit waren. 

Tatsächlich dauerte die Untersuchung bei meiner Großen am Ende fast 2 Stunden und bei meiner kleinen Tochter ca. 1 Stunde.

Mögliche Beschwerden

Bei Menschen, die das Ungleichgewicht der Augenmuskulatur nicht ausgleichen können, können folgende Beschwerden auftreten: Verschwimmen von Buchstaben, Augendruckgefühl, Verzögerte Anpassung der Augen, wenn sich etwas verändert, z.B. Entfernung oder Helligkeit. 

Auch für ein gutes räumliches Sehen ist es Voraussetzung, dass beide Augen gut zusammen arbeiten.

Genau das ist übrigens bei meiner kleinen Tochter das Problem, sie hat fast kein räumliches Sehen. Ich selbst konnte es kaum glauben, deswegen habe ich den räumlichen Sehtest parallel, neben ihr, mit dem gleichen Gerät gemacht. So konnte ich es selbst erst begreifen.

Natürlich kam bei mir gleich wieder das schlechte Rabenmuttergewissen, das mir das Problem vorher noch nie aufgefallen war. Der nette Optometrist beruhigte mich, indem er mir sagte, dass die meisten Eltern es nicht merken würden. Man merkt es höchstens manchmal daran, dass die Kinder häufiger stolpern. 

Da meine Kinder viel toben, stolpern sie auch ab und zu und fallen hin. Mir wäre nie in den Sinn gekommen, dass dies mit dem räumlichen Sehen in Verbindung stehen könnte.

Weitere Beschwerden bei einem Ungleichgewicht der Augenmuskulatur können auch sein: häufige Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme, Fehler beim Abschreiben von der Tafel fällt schwer und Lese-Rechtschreibprobleme.

Manche Optometristen im Internet gehen sogar davon aus, dass einigen Kindern mit Lese-Rechtschreibschwäche oder sogar mit ADHS geholfen werden kann, wenn man mit ihnen eine genaue visuelle Analyse machen würde.

Bei meiner großen Tochter kam zu der zu starken Weitsichtigkeit hinzu, dass sie sehr schwer fixieren kann, etwa nur zu 20%. Dem Optometristen war sofort klar, dass meine Tochter so an Schreiben und Lesen keinen Spaß haben kann. Sie kann zwar für ein paar Sekunden etwas fixieren, z.B. die Buchstaben auf einem Blatt, hierfür muss sie aber ihre Augen bereits überanstrengen, so dass die Augen sich nach einigen Sekunden abwenden.

Generell war ich sehr beeindruckt von der modernen Ausrüstung des Optometristen. Er hat deutlich mehr Untersuchungsgeräte benutzt, als es unsere Augenärztin gemacht hat.

Korrektur

Es gibt mehrer Wege zur Korrektur.

Bei meinen zwei Mädels werden wir nun erstmal ganz normale Brillen, die die Weitsichtigkeit beheben ausprobieren. Die Augenmuskulatur trainiert sich ja weiter und hier stehen die Chancen noch gut, wenn die Ausgangsposition der Augen richtig ist, dass sich die Muskulatur richtig trainiert und das Zusammenspiel beider Augen in Einklang kommt.

Bei meiner großen Tochter ist es schon leicht grenzwertig, da, je älter die Kinder sind, umso länger haben sie die Muskulatur eventuell falsch trainiert. Deswegen ist es besonders wichtig, dass man mit Kindern, wenn man meint, hier könnten Probleme vorliegen, am besten bereits möglichst früh einen Optometristen aufsucht.

Wenn die Augen gut genug trainiert sind und ein Gleichgewicht der Augenmuskulatur hergestellt wurde, kann es sein, dass die Brille nicht mehr benötigt wird.

Die nächste Stufe zur Korrektur wäre dann eine Prismenbrille. Hier werden bestimmte Primen in die Brillengläser eingeschliffen. Das wäre dann bei uns der Fall, wenn wir feststellen, dass die Augen mit der normalen Brille zu wenig trainiert werden.

Deswegen müssen wir auch in zwei Monaten zu einer weiteren Nachuntersuchung (die dann zum Glück kostenlos ist).

Um den Beschwerden entgegen zu wirken gibt es noch das Vision Training. Das ist im Grunde eine Sehschule, bei der gezielt die Augenmuskeln trainiert werden. Dieses Sehtraining muss allerdings von einem Fachmann durchgeführt werden und man sollte regelmäßig über einen langen Zeitraum von mindestens 3-6 Monaten wöchentlich dort hin. Wegen dem hohem Zeitaufwand und wegen der weiten Entfernung haben wir uns dagegen entschieden. 

Meine zwei Mädels haben jede ihre Hobbys, Schule und Freunde, da wollte ich nicht noch einen festen Termin in der Woche für sie haben.

Die letzte Möglichkeit zur Korrektur ist eine Operation. Dies wird aber eigentlich nur gemacht, wenn die Beschwerden sehr stark sind und alle anderen Maßnahmen nicht funktioniert haben. Hier wird dann der Augenmuskel verlagert.

Unser bisheriges Ergebnis

Abgesehen davon, dass wir jetzt über 630€ ärmer sind (pro Kind muss man für Untersuchung und Brille, falls etwas rauskommen sollte, rechnen), war es faszinierend zu sehen, wie meine große Tochter erstaunt schaute, als sie zum ersten Mal ihre Brille trug. Sie war ganz fasziniert davon, wie nah und deutlich alle Sachen nun seien.

Mittlerweile, jetzt nach vier Wochen, tragen auch beide Kinder ihre Brillen fast den ganzen Tag. Anfangs haben sie sie meistens nachmittags abgenommen, weil sie ihnen unangenehm war. Ich denke, dass das wahrscheinlich normal ist, schließlich müssen sie sich auch erst daran gewöhnen.

Leider haben sie ihre Brillen auch schon häufig verlegt, besonders meine kleine Tochter hatte hier die ersten Tage ein Talent dafür. Jetzt haben wir feste „Brillenplätze“ eingerichtet, auf denen die Brillen geparkt werden, wenn sie zum Beispiel ins Bett gehen oder Zähneputzen.

Meine große Tochter ist jetzt in den letzten vier Wochen leider keine leidenschaftliche Leserin geworden, aber ich habe das Gefühl, dass es ihr bereits deutlich leichter fällt und auch die Zeitspanne die sie liest hat sich bereits erhöht. 

Beim Schreiben kann sie jetzt auch eindeutig auf der Linie bleiben.

Wenn du jetzt auch das Gefühl hast, dass bei deinem Kind eine visuelle Analyse nicht schaden würde und du ganz eindeutige Anzeichen feststellst, dass die Augenmuskulatur nicht optimal zusammenarbeitet, rate ich dir zu einer Brillenversicherung. Der Kassenanteil von unserer Krankenversicherung ist bei den 630€ bereits abgezogen.

Hast du vielleicht auch schon einmal eine visuelle Analyse machen lassen?

Und wenn ja, was waren deine Erfahrungen damit?

Ich werde dich weiter auf dem Laufenden halten, wie es bezüglich Augen bei uns weitergeht.

Liebe Grüße

Sabine