Heute verrate ich Dir wie ich es angestellt habe, dass meine Kids ganz freiwillig und gerne im Haushalt mithelfen.

Dieses Thema spaltet ja auch oft die Gemüter.

Es gibt Familien, da müssen die Kinder gar nicht mithelfen und in manchen Haushalten nur, wenn die Kinder selbst Lust dazu haben. Das wäre dann wohl bei meinen Kindern nie der Fall gewesen 😉

Meine Einstellung hierzu mag vielleicht dem Ein oder Anderen erziehungstechnisch etwas zu konservativ sein, aber ich bin der Meinung, dass meine Kinder bestimmte Aufgaben im Haushalt erledigen können. Natürlich je nach Alter und individuellen Fähigkeiten.

Wir leben alle gemeinsam als Familie zusammen und dazu gehört es für mich, dass wir auch alle gemeinsam zusammen helfen. Mein bester Ehemann der Welt arbeitet sehr viel und auch ich gehe noch einer Arbeit nach.

Jetzt gibt es ja viele Arten die Kinder zu einer Mitarbeit zu motivieren und auch wir haben etliche von diesen Listen durch, die man überall für diesen Zweck erwerben kann. Leider immer nur mit mittelmäßigem Erfolg.

Da kam mir dann ein Gespräch mit einer Kinderpsychologin gerade Recht. Dieser habe ich von unserer geraden aktuellen „Haushaltsliste“ erzählt und ihr fielen sofort etliche Dinge dazu ein, die man besser anders machen kann.

Von Sonntag bis Samstag

Die meisten herkömmlichen Listen beginnen montags und enden am Sonntag.

Da die Mitarbeit nach 7 Tagen mit einer Belohnung endet, sollte man das Ende dieser Liste am besten auf einen Sonntag legen, da die Kinder an diesem Tag wahrscheinlich mehr Zeit haben um die Belohnung zu genießen oder einzulösen. Auch kann man an einem Sonntag die neue Wochenbelohnung gemeinsam in Ruhe besprechen.

Die Darstellung

Wir haben als Darstellungsform Smileys genommen. Das war das einfachste. Wenn eine Aufgabe erledigt ist, gibt es einen lachenden grünen Smiley und wenn nicht, dann einen traurigen roten Smiley. Wir malen die Smileys immer mit abwaschbaren Stiften. 

Hier hat mir die nette Kinderpsychologin geraten, dass der Smiley sofort im Anschluss kommen sollte, wenn die Aufgabe erledigt ist und nicht erst irgendwann am Abend. 

Den grünen Smiley dürfen die Kinder selber malen. Da entstehen manchmal wahre Künstlersmileys. So machen sie ihre  positive Belohnung aktiv selbst und freuen sich in diesem Moment immer. Die traurigen roten Smileys male ich.

Nicht mehr als drei Aufgaben

Die meisten herkömmlichen Listen, die wir ausprobiert haben, haben teilweise fünf oder noch mehr Aufgaben vorgesehen. Hierzu bekam ich die klare Ansage, dass das deutlich zu viel ist. Es sollten pro Kind nicht mehr als drei Aufgaben sein, denn wenn es mehr sind, wird das Kind überfordert und bekommt tagtäglich das Gefühl immer hinter seinen Aufgaben her zu hechten.

Die Logik dahinter habe ich verstanden. Wenn ich mal von meinen To-do-Listen ausgehe, die ich mir ab und an schreibe, ergeht es mir selbst ja ähnlich. Ist die Liste sehr lang, habe ich schon gar keine Lust mehr anzufangen oder ich kann mich nicht entscheiden mit was ich anfangen soll. Wenn es mir da schon so geht, wie geht es dann einem Kind, wenn es vor einem großen Berg Aufgaben steht?

Andere Aufgaben und Verhaltensweisen

Interessant fand ich auch die Aussage, als mir die Kinderpsychologin sagte, dass nicht nur Haushaltsaufgaben auf der Liste stehen sollten. Auch andere Aufgaben, bei denen es vielleicht Probleme oder Streit gibt, sollte man mit einbinden. Außerdem sollte man auch bestimmte Verhaltensweisen mit auf die Liste setzen. 

Zuerst dachte ich, was für sonstige Aufgaben haben denn meine Kinder?

Klar, bei uns immer wieder Thema: die Hausaufgaben oder generell etwas für die Schule machen. Nun ist es aber ja so, dass die Kinder nicht jeden Tag Hausaufgaben machen müssen. Diese fallen ja z.B. an einem Sonntag weg. Also heißt hier jetzt die Aufgabe „Hausaufgaben und/oder lesen“. So können sie sich trotzdem jeden Tag ihren Smiley verdienen. Hier muss man sich überlegen, was gerade für das Kind aktuell ist. Bei meiner großen Tochter ist es eben das Lesen, bei anderen Kindern ist es vielleicht das Rechnen.

Bei den Verhaltensweisen musste ich auch zunächst überlegen.

Eine nervige Verhaltensweise bei meiner kleinen Tochter ist es, dass sie immer ihre große Schwester ärgert, wenn diese Hausaufgaben macht oder sich auf etwas konzentrieren muss. Also habe ich das mit auf die Liste aufgenommen. 

Bei meiner großen Tochter habe ich als Verhaltensweise mit aufgenommen: „Nicht immer wegen Kleinigkeiten sofort beleidigt sein.“

Meine große Tochter ist ein sehr emotionaler Mensch und fühlt sich schnell angegriffen und fängt dann das Weinen an. Mittlerweile ist sie fast neun Jahre alt und dieses Verhalten hat ihr in der Schule schon so manches Problem eingebracht. Sie wurde auch schon als Heulsuse verspottet, als sie mal wieder anfing, wegen einem Satz von einem anderen Mädchen zu weinen.

Bei dem Thema Verhaltensweisen hat mir die Kinderpsychologin geraten in Form von Strichen vorzugehen. Es ist für ein Kind schwierig, nicht sofort beleidigt zu sein und die eigenen Gefühle zu regulieren. Deswegen hat sie hier drei Chancen pro Tag. Bei jedem extremen Überreagieren bei Kleinigkeiten erhält sie auf ihrer Liste einen Strich. Erst wenn sie drei Striche hat, dann bekommt sie einen traurigen Smiley. 

Hier möchte ich noch kurz hinzufügen, dass es bei uns tatsächlich nur um extremes Überreagieren bei Kleinigkeiten geht. Natürlich darf meine Tochter weinen, wenn sie traurig ist oder sich verletzt hat etc. Und wird dann selbstverständlich auch von mit getröstet.

Mindestens drei Monate

Eine Aufgabe oder Verhaltensweise sollte mindestens für drei Monate auf der Liste stehen.

Das war mir auch völlig neu.

Bei allen anderen Listen zuvor, haben wir die Aufgaben wöchentlich getauscht.

Die Kinderpsychologin hat mir aber davon abgeraten. 

Es ist, wie es mit allen Dingen im Leben ist, wenn man sich etwas angewöhnt hat, fällt es einem deutlich leichter. Wenn man deswegen eine Aufgabe mindestens drei Monate lang gemacht hat oder eben ein Verhalten mindestens drei Monate geübt hat, fällt es auch den Kindern deutlich leichter. So geht es ihnen in Fleisch und Blut über.

Aufgaben übergeordnet beschreiben

Wenn du jetzt aufgepasst hast, erkennst du schnell, dass ich nun ein Problem hatte. Ich sollte ja nur drei Aufgaben auf die Liste schreiben. Jetzt habe ich das Thema „Hausaufgaben und beleidigt sein“ bei meiner Großen und bei meiner Kleinen bereits das Thema „Schwester in Ruhe lassen“. Da bleibt nicht mehr viel für Haushalt.

Deswegen sollte man das Thema Haushalt als einen Punkt nehmen und ziemlich übergeordnet beschreiben, wie z.B. „ im Haushalt helfen“.

Anfangs war ich leicht irritiert, da wir die Aufgaben früher doch sehr detailliert verteilt hatten mit „Tisch decken“ und „Müll raus bringen“.

Auch hier hat mir die Kinderpsychologin eine einfache Erklärung gegeben. 

Man hat ja nicht immer täglich den Müll raus zu bringen und würde so dem Kind die Möglichkeit nehmen, sich an diesem Tag hierfür einen Smiley zu verdienen.

Wenn man einen Ausflug macht und außerhalb isst, braucht das Kind ja auch nicht den Tisch zu decken.

Durch den übergeordneten Punkt „im Haushalt helfen“ kann dieser Punkt jeden Tag von mir neu festgelegt und bestimmt werden. An einem Tag ist es eben den Müll rausbringen, an einem anderen Tag die Spülmaschine ausräumen.

Unser Schiedsrichter

Das Thema Tisch decken und abräumen haben wir mit unserer Form des Schiedsrichters gelöst. Bei uns ist jedes Kind wechselweise der Schiedsrichter. Der Schiedsrichter bestimmt, wer den Tisch aufdeckt, im Gegenzug deckt der andere den Tisch ab. Bei uns bestimmt auch der Schiedsrichter wer neben wem sitzen darf.

Den Schiedsrichter hatten wir schon vor der neuen Liste eingeführt, da es bei uns regelmäßig Streit zwischen den Mädels gab, bezüglich der Sitzordnung an Tisch (besonders wenn Besuch da war).

Erfüllbare Aufgaben setzen

Natürlich muss man bei jedem Kind je nach Alter und Fähigkeiten überlegen, ob das Kind in der Lage ist die Aufgabe auch zu erfüllen. Hier muss man realistisch sein. Ein kleines Kind, welches die Spülmaschine ausräumen soll und dabei nicht an die Schränke kommt, wird wohl schnell frustriert sein und die Aufgabe nicht gerne erledigen.

Auch ich habe hier einen Fehler begangen. Meine kleine Tochter ist in ihrem Zimmer sehr unordentlich. Deswegen bekam sie von mir die Aufgabe ihr Zimmer ordentlich zu halten.

Auch hier hat mich die Kinderpsychologin eines Besseren belehrt. Ein kleines Kind oder eben auch ein Sechsjähriges ist noch nicht in der Lage das gesamte Zimmer ordentlich zu halten. Auch nicht, wenn vorher genau besprochen wurde, wo welches Teil seinen Platz hat. 

Das sollte man im Übrigen immer mit den Kindern genau besprechen, denn nichts ist frustrierender für ein Kind, wenn es gar nicht genau weiß, wo was hingehört. Dann kann das Kind es nur von einem Platz zum nächsten falschen Platz räumen und man nimmt ihm die Möglichkeit die Aufgabe richtig zu erfüllen.

Jetzt steht bei meiner kleinen Tochter „Zimmer ordentlicher halten“ auf der Liste und ich sage ihr jeden Tag, was genau ihre Aufgabe in ihrem Zimmer ist. Einmal ist es den Fußboden aufzuräumen, einmal ihren Schreibtisch usw.. Voraussetzung ist natürlich, dass sie dann nicht alle Sachen, die auf dem Boden liegen einfach auf den Tisch legt oder umgekehrt. Die Sachen aus diesem Teilbereich müssen dann auch wirklich an ihren richtigen Platz aufgeräumt werden.

Ich war positiv überrascht, wie schnell sie es umsetzen kann und es ihr dabei auch noch Spaß macht.

Ich hatte zuvor einfach zu viel von ihr verlangt. Auch hier war es wieder die große Menge, die sie überfordert hat und sie so gar nicht wusste, womit sie genau anfangen soll.

Die Belohnungen

Bei den Belohnungen muss man ebenso realistisch sein. Meine Kinder haben nun jede 3 Aufgaben pro Tag und das sieben Tage lang. Das heißt, sie könnten sich 21 Smileys verdienen. Natürlich wäre es jetzt nicht sinnvoll, wenn es nur eine Belohnung bei 21 Smileys gibt. Auch unsere Kinder haben manchmal einen schlechten Tag, an dem sie einfach keine Lust haben, Aufgaben zu erledigen. Das ist auch völlig in Ordnung und hier wird bei uns auch nicht geschimpft. Deswegen gab es bei uns am Anfang die Belohnung bei 15 Smileys, nach ca. zwei Monaten haben wir dies auf 18 Smileys hochgesetzt. Wobei das schon anspruchsvoll ist. Natürlich haben wir die Anzahl gemeinsam besprochen und auch gemeinsam mit den Kindern festgelegt. Hier habe ich sie sich selbst einschätzen lassen, was sie meinen, was für sie realistisch machbar ist.

Die Belohnungen werden bei uns jeden Sonntag gemeinsam besprochen. Manchmal wünschen sie sich Süßigkeiten, manchmal wünschen sie sich einen gemeinsamen Ausflug oder eine gemeinsame Bastelaktion. Oft wünschen sich meine zwei Mädels auch eine Überraschung von mir. Hier lasse ich mir dann irgendeine Kleinigkeit einfallen, das kann eine CD sein oder auch ein Picknick im Grünen. 

Natürlich muss man auch hier daran denken, dass es realistisch sein muss und umsetzbar sein muss. Es bringt nichts, wenn die Kinder sich einen gemeinsamen Ausflug als Belohnung wünschen und ich aber bereits im Vorfeld weiß, dass das nächsten Sonntag aus zeittechnischen Gründen nicht klappen kann.

Jedes Kind sucht sich im Vorfeld seine eigene Belohnung aus.

Mir war klar, dass es so eine individuelle Liste nicht irgendwo zu kaufen gibt. Deswegen habe ich sie für uns selbst gebastelt, indem ich ein großes DinA3 Blatt einlaminiert habe. Auf dieser wird mit wasserlöslichen Stiften die Smileys gemalt. Die Aufgaben habe ich mit Post-it-Zetteln darauf geklebt, so kann ich sie jederzeit wechseln.

Man könnte sich aber auch ein Flipchartblock anlegen.

Bei uns hängt die Liste am Kühlschrank und ist somit jederzeit erreichbar und einsehbar.

Bei dem Punkt Darstellung habe ich gesagt, dass der Smiley möglichst zeitnah gemalt werden sollte und nicht erst irgendwann am Abend. Aber was mache ich nun, wenn wir unterwegs sind? Schließlich stehen ja auch Verhaltensweise auf unserer Liste.

Anfangs habe ich dann einen kleinen Zettel aus meiner Handtasche geholt und die Kinder dort den lachenden Smiley darauf malen lassen oder ich habe eben einen traurigen Smiley darauf gemalt. Am Abend, wenn wir dann wieder zuhause waren, wurde es dann übertragen. 

Mittlerweile reicht es, wenn ich sage „das gibt einen grünen Smiley“. Dann malen die Kinder ihn selbst in die Liste, wenn wir wieder zuhause sind.

 

Hier kannst Du sehen, wie unsere Liste zu Beginn ausgesehen hat:

 

Nach sechs Monaten

Tatsächlich haben wir jetzt unsere Liste bereits seit sechs Monaten und auch die Aufgaben und Verhaltensweisen haben wir schon einmal geändert.

Ich bin immer noch begeistert, wie gut es bei uns funktioniert. 

Wenn es darum geht eine Aufgabe zu erledigen haben wir mittlerweile ganz selten Diskussion.

Selbst als wir mal zwischendrin vergessen haben die Liste zu führen, gab es nie irgendeine Diskussion. Die Aufgaben werden seitdem von meinen Kindern tatsächlich gerne erledigt.

Ich werde immer wieder von anderen Mütter etwas komisch angeschaut, wenn sie mitbekommen, wie meine Kinder freiwillig z.B. die Spülmaschine ausräumen, wenn ich nur „die Spülmaschine müsste noch ausgeräumt werden“ sage.

Mittlerweile ist es wirklich für sie selbstverständlich geworden in unserem Haushalt mit zu helfen.

Natürlich kann auch ich nicht garantieren, dass das für ewig so bleiben wird. Vielleicht sieht das Ganze in der Pubertät schon wieder anders aus.

Auch kann ich dir nicht versprechen, dass so eine Liste bei deinen Kindern funktionieren wird. Aber vielleicht hast du jetzt Lust bekommen es auszuprobieren oder wenn du schon mit einer Liste arbeitest und es noch nicht so richtig funktioniert, die ein oder andere Idee für eine kleine Änderung?

Wie sieht es in deiner Familie aus?

Helfen die Kids mit und arbeitet ihr vielleicht auch mit einer Liste?

Ich würde mich freuen, wenn du mir von deinen Erfahrungen berichtest.

Bis Bald

Deine Sabine