Meine große Tochter ist neun Jahre alt geworden.

Wer mich und meine Kinder kennt, weiß, dass wir eigentlich immer Zuhause eine Mottoparty machen. Das Motto wählen meine Kinder frei aus und ich überlege mir dann, wie man das Ganze umsetzen kann. 

Das war ja letztes Jahr eine kleine Herausforderung für mich, mit unserer Indienparty.

Aber geht nicht, gibt es nicht.

Nachdem nun wirklich die meisten Kinder außer Haus feiern, kam auch bei meiner großen Tochter nun der Wunsch auf, etwas außer Haus zu machen.

Außer Haus oder Alternative

Die andere Alternative, die ihr vorschwebte, war eine Übernachtungs-pyjama-Party. 

Alleine bei dem Wort bekam ich schon einen halben Nervenzusammenbruch.

Es ist nicht so, dass noch nie Kinder bei uns übernachtet haben, eher im Gegenteil, aber eben immer nur ein Kind. Das funktionierte bisher auch wirklich gut.

Und dann begann ich einen fatalen Fehler zu machen: ich erlaubte ihr vor einigen Wochen, dass zwei Freundinnen von ihr zusammen bei uns übernachten dürfen.

Da meine zwei Mädels sich ein Zimmer teilen, bedeutete das, dass nun vier Kinder gemeinsam in einem Zimmer nächtigten.

Ich war doch tatsächlich so naiv und dachte, dass sie irgendwann schlafen werden. Irgendwann taten sie das auch, aber es war eher früher Morgen als nachts. 

Dieses Erlebnis noch allzu frisch in Erinnerung ließ mich nicht zögern und ich sagte ihrer außer Haus Party zu.

On Ice

Auf die Idee mit Schlittschuhlaufen ist meine große Tochter relativ schnell gekommen.

Nun gut, erst wollte sie ins Schwimmbad. Aber bei dem Thema fielen mir sofort die entsetzen Diskussionen von einigen Eltern ein, als es hieß, dass die Schule wieder „Schulschwimmen“ einführen möchte, aber die Kinder hierzu schon schwimmen können müssen.

Ich stellte mir bildlich vor, wie ich hinter anderen Kindern im Schwimmbad her hechtete, um sie vor dem vermeintlichen Ertrinkungstod zu retten.

Dann doch lieber Schlittschuhlaufen.

Einladungen

Für die Einladungen druckte ich meiner Tochter eine Vorlage von einem Schlittschuh aus. In diesen hat sie dann den Einladungstext geschrieben und sie anschließend noch angemalt.

Da eine andere Mutter mir zugesichert hatte, mit zu fahren und es ja auch noch meinen besten Ehemann der Welt gibt, konnte sie so viele Kinder einladen, soviel Autositze in drei Autos passten.

Nachdem letztes Jahr auf ihrer Geburtstagsfeier sich zwei Freundinnen gestritten hatten, hat sie sich sehr gut überlegt, wen sie einlädt.

Was ich von dem Thema „Gegeneinladungen“ halte, habe ich dir ja schon einmal verraten.

Allein aus platztechnischen Gründen wäre es sowieso unmöglich gewesen, alle Kinder einzuladen, bei denen sie im vergangen Jahr eingeladen war.

Auch beim Geschlecht hat meine Tochter freie Wahl, so dass sie auch zwei Jungs eingeladen hat.

Aber Schlittschuhlaufen ist ja eh geschlechtsneutral.

Einladungen Geburtstagsparty on Ice

Diesmal keinen Kuchen und keine Kerzen

Meine Tochter wünschte sich ausdrücklich diesmal keinen Kuchen, sondern Cupcakes.

Ich las ihr mehrere Cupcakerezepte vor und sie entschied sich dann für Cupcakes mit Keksfüllung.

Hier hat sie bei der Produktion fleißig mitgeholfen und ich war positiv überrascht, wie gut sie mittlerweile mit einem Spritzbeutel umgehen kann (im Grunde besser, als ich selbst).

Da es in einer Eishalle und mit Cupcakes etwas schwierig mit Kerzen anzünden und anschließendem Ausblasen ist, hat sie beschlossen, darauf zu verzichten.

Ihr eigener Wortlaut war aber nicht, weil es zu umständlich in der Eishalle ist, nein, ihr Wortlaut war : „Mama, ich werde neun Jahre alt. Da brauche ich so etwas wie Kerzen ausblasen nicht mehr.“

Seitdem habe ich vor dem ominösem Wort „Vorpubertät“ Angst.

Ganz um das Kerzen-Ausblasen rum, ließ ich sie aber nicht kommen.

Jedes Jahr am Morgen der Feier, bevor die Gäste kommen, kommen Oma und Opa bei uns zu Besuch und wir frühstücken gemeinsam. 

Meine große Tochter hatte sich zu ihrem Geburtstag ein Weißwurstfrühstück gewünscht. So kam es, dass auf ihrem Teller zwei frische Weißwürste mit neun Kerzen gespickt waren.

Kein Kuchen – Weißwürste

Reservieren

Zur Sicherheit schaute ich vorher im Netz nach, ob die Eishalle auch an ihrem Geburtstag geöffnet hat. Denn es hätte nichts Schlimmeres gegeben, als wenn geschlossen gewesen wäre.

Bei Eishallen muss man auch immer auf die Öffnungszeiten schauen, da diese ja oft nur so von 14-16 Uhr und dann erst wieder von 17-19 Uhr geöffnet haben.

Zum Glück hatte die Eishalle geöffnet und ich entdeckte noch einen Hinweis auf der Internetseite, dass man bei Geburtstagen vorher reservieren soll.

Ganz ehrlich, hätte ich das auf der Internetseite nicht gelesen, so hätte ich im Leben nicht daran gedacht.

Als ich dort anrief, erfuhr ich, dass durch unsere Reservierung das Geburtstagskind freien Eintritt erhält und auch alle Begleitpersonen und Gäste einen ermäßigten Eintritt bekommen.

Auch das Ausleihen von Schlittschuhen ist dann günstiger.

Und so kam ich dann auch auf die Idee, mich bei den Eltern im Vorfeld zu erkundigen, ob ihre Kinder Schlittschuhe haben und wenn nicht, welche Schuhgröße sie haben.

So war das Ausleihen für die Kinder ohne eigene Schlittschuhe dann entspannter.

Endlich auf dem Eis

Alle Kinder trafen pünktlich bei uns ein und so starteten wir gleich Richtung Eishalle.

Natürlich hatte ich mich nicht im Vorfeld erkundigt, ob eventuell ein Eishockeyderby in der Stadt angekündigt ist.

Und so kam es, wie es kommen musste: Es war ein Derby.

Was erstmal bedeutete, dass wir keinen Parkplatz in der Nähe fanden, überall tausende von Menschen und Autos unterwegs waren und zusätzlich noch ein Großaufgebot von Polizei, Rettungswägen und Presse.

Als ich das alles beim Eintreffen erblickte, hatte ich einen kurzzeitigen Herzinfarkt und überlegte mit den Kids wieder nach Hause zu fahren.

Ich atmete 3 Mal, nein, wahrscheinlich waren es 100 Mal im Auto tief durch – die Kinder mussten solange im Auto warten – und machte mich auf das Schlimmste gefasst.

Erstaunt stellte ich fest, dass alle Kinder super lieb und brav waren. Es war überhaupt kein Problem mit ihnen den nun etwas längeren Fußmarsch zwischen Menschen- und Automassen zu gehen.

Kein Kind ging verloren und so konnte ich am Eingang angekommen meiner Anspannung Ade sagen.

Das öffentliche Eislaufen fand trotzdem statt, in der etwas kleineren Halle nebenan.

Auch das Ausleihen der Schlittschuhe und das Anziehen meisterten die Kinder super. Alle, die Hilfe benötigten, warteten friedlich bis sie an der Reihe waren.

Für die Kinder, die noch nicht so gut Schlittschuhlaufen konnten, haben wir so Halte-Pinguine ausgeliehen.

Als die Kinder auf dem Eis waren, fingen ihre Augen zu leuchten an. Alle waren rundum zufrieden.

Obwohl wirklich viele Menschen auf dem Eis waren – selten habe ich so eine volle Eishalle gesehen- (wahrscheinlich, weil eben nur die kleine Halle geöffnet war) hat es super funktioniert. Die Kids haben einfach zweier oder dreier Gruppen gebildet und sind so miteinander gefahren.

Während das Eis neu prepariert wurde, sind alle zum vereinbarten Treffpunkt erschienen.

Auf den Sitzen gab es dann die Cupcakes und Kinderpunsch.

Das Ausziehen, Abgeben der Schlittschuhe und Zurückgehen zum Auto lief auch sehr geordnet ab.

Hier habe ich erkannt, dass die Kids eben schon ganz schön groß geworden sind und man sich mittlerweile auch wirklich schon auf sie verlassen kann.

Freispielzeit

Als wir wieder bei uns zu Hause angekommen waren, hatten die Kinder nur noch eine Stunde zum spielen für sich.

Zuerst dachte ich, dass wäre zu kurz, denn aus den vorigen Jahren hatte ich die Erfahrung, dass sie auch einfach nur miteinander spielen wollen ohne das sie angeleitet werden.

Das haben sie im letzten Jahr noch sehr genossen.

Aber dieses Jahr war das alles nicht so.

Ich dachte, ich könnte in dieser Zeit in Ruhe die Autos ausladen und das Abendessen vorbereiten.

Fehlanzeige.

Bereits nach fünf Minuten saßen die ersten Kinder bei mir am Tisch und wussten nicht was sie machen sollten.

Alle Vorschläge, was sie miteinander spielen könnten, fanden sie nur blöd oder langweilig.

Ein paar der Mädels haben sich dann verzogen und Perlen gefädelt, aber der Rest der Kinder hat sich gelangweilt.

Ein Kind fragte mich doch allen Ernstes, ob es fernsehen könnte.

Letztendlich sind sie dann an meinem Esstisch gesessen und haben sich über andere Kinder, Mitschüler und Lehrer unterhalten und wie sie sagten „nach der Anstrengung auf dem Eis müssen sie chillen“. 

Hilfe?!

Kann sich das Verhalten der Kinder innerhalb eines Jahres so drastisch ändern – viele von ihnen waren letztes Jahr auch schon bei uns auf der Geburtstagsfeier. Da konnte  nicht genügend gespielt werden und dieses Jahr unterhalten sie sich?

Abendessen

Auch dieses Jahr kam bei uns wieder die schwedische Hotdog Box zum Einsatz. Das hatte sich meine Tochter gewünscht und ich habe sofort ja gesagt. Denn einfacher geht es nicht.

Auch dieses Jahr waren alle Kinder wieder begeistert. Jedes Kind konnte sich seinen Hotdog nach belieben zusammenbauen.

Abholzeit

Die Abholzeit war wieder auf eine halbe Stunde getreckt. Das mache ich nun einige Zeit so und werde es auch beibehalten. Der riesige Vorteil dabei ist, dass nicht alle Kinder zeitgleich abgeholt werden, sondern nach und nach. So entsteht nicht diese hektische Aufbruchstimmung und ich hatte noch Zeit für den ein oder anderen Plausch an der Türe.

Give Aways

Natürlich bekam auch dieses Mal jedes Kind ein kleines Give-Away mit nach Hause.

Ich habe wieder Brotzeittüten aus Papier genommen, die zuvor von meiner Tochter gestaltet wurden.

Da die Kids nun ja schon älter waren, kamen nicht nur Süßigkeiten hinein, sondern auch noch immer ein kleiner Kosmetikartikel. Besonders die Mädels waren davon angetan.

Obwohl dieser Geburtstag wirklich entspannt abgelaufen ist, war ich trotzdem danach etwas gerädert. Diesmal lag es aber glaube ich daran, dass ich selbst ja auch mit auf dem Eis war und wenn man so etwas nur einmal im Jahr macht, sieht es nicht nur wenig elegant aus, sondern der Körper ist es auch nicht gewohnt, weshalb ich dann auch am nächsten Tag Muskelkater hatte.

Am Abend erzählte mir aber meine Tochter wieder glücklich, dass sie einen wunderschönen Tag hatte.

Allerdings meinte sie auch, dass sie nächstes Jahr nur drei Freundinnen einladen möchte, denn das viele Reden mit so vielen Kindern war für sie anstrengend. Sie möchte dann lieber nur mit ihren allerbesten Freundinnen quatschen?

So langsam werde ich mir immer sicherer, dass wir mit großen Schritten Richtung Pubertät maschieren.

Gut nur, dass wir bereits mit unserer Aufklärung-Phase 1 begonnen haben.

 

Bis Bald

Deine Sabine