Bald ist es auch bei uns Bayern wieder soweit. Es gibt Zwischenzeugnisse.

Als meine große Tochter eingeschult wurde, mittlerweile ist sie in der vierten Klasse und somit neigt sich ihre Grundschulzeit langsam dem Ende zu, hatte ich noch die romantische Vorstellung, dass mein Kind auch ohne Druck ein Schulleben führen könnte.

Leider musste ich mich schnell von dieser Vorstellung verabschieden.

Zunächst freute ich mich, dass wir das Glück hatten, sie auf einer kleinen Dorfschule einzuschulen.

Druck vom ersten Schultag an

Doch bereits nach den ersten Wochen war klar: auch hier herrscht vom ersten Tag an Druck auf die Kinder.

Es gab keine Eingewöhnungszeit. Zum Glück kannten sich die meisten Kinder bereits aus dem Kindergarten, so dass sie sich nicht ganz einsam fühlten.

Aber bereits in den ersten Tagen gab es jede Menge an Hausaufgaben.

Anfangs wurden diese noch euphorisch gemacht, doch das ließ ziemlich schnell nach. Dieses Phänomen war übrigens bei meiner kleinen Tochter ebenfalls bereits nach einer Woche so.

Das Hausaufgabenpensum schockte mich selbst dann doch auch ganz schön. In einem Gespräch mit der Lehrkraft wurde klar, dass eine Stunde bis eineinhalb Stunden die Norm sei.

Wir hätten aber die Möglichkeit nach eineinhalb Stunden abzubrechen, sprich, wenn sie nicht alle Hausaufgaben innerhalb eineinhalb Stunden erledigen könne, sollen wir abbrechen und eine kurze Notiz ins Hausaufgabenheft machen.

Das klang ja in Theorie sehr nett. Aber in der Praxis wurde so der Druck erhöht.

Denn alles, was nicht geschafft wurde, musste am nächsten Tag nachgearbeitet werden, zusätzlich zu den neuen Hausaufgaben. Zusätzlich gab es dann ab dreimal nicht komplett erledigten Hausaufgaben eine zusätzliche Strafarbeit. Dies führte dazu, dass bereits nach kurzer Zeit meinen Kindern die Schule keinen Spaß mehr machte.

Meine große Tochter war und ist von Haus aus ein sehr neugieriges und wissbegieriges Kind.

Um den Druck zu nehmen versuchte ich, ein paar Hausaufgaben in kleine Spiele umzuwandeln. Das ging und geht leider nur bedingt.

Wenn sie zum Beispiel Kopfrechnen oder Einmaleins üben sollen, machen wir daraus ein Spiel, am liebsten beim Autofahren.

Den Druck akzeptieren und das Beste daraus machen

Ich selbst habe lange gebraucht um zu akzeptieren, dass es nicht ohne Druck geht. 

Befasst man sich mit dem aktuellen Lehrplan, bei uns in Bayern ist das der sogenannte Lehrplan plus, wird einem schon beim Durchlesen schlecht.

Wenn ich mir den Lehrplan der zweiten Klasse durchlesen, meine kleine Tochter ist gerade in der zweiten Klasse, stehen da Dinge wie: kleines Einmaleins, Flächeninhalte/Umfänge bestimmen und vergleichen, Wahrscheinlichkeiten vergleichen, Texte überarbeiten, Verfassen von eigenen informativen Texten.

Natürlich sehe ich ein, dass dies alles wichtige Dinge sind. Ich frage mich nur, wie das alles ein Kind lernen soll, in der zweiten Klasse. Sind sie doch hier noch nicht einmal in ihrer eigenen Schreibfertigkeit gefestigt und müssen sich noch beim Lesen anstrengen. Ach ja, die Schreibschrift will ja auch noch erlernt werden.

Wie wir mit dem Druck umgehen

Ich versuche so viel Druck wie möglich von meinen Mädels fernzuhalten. So machen sie mir in ihrer Freizeit nicht noch zusätzlich Leistungssport. Natürlich haben sie sportliche Hobbys, aber immer nur so viel, wie ihnen Spaß macht.

Den Schulstoff versuchen wir spielerisch umzusetzen, zumindest da wo es geht.

In dem Fach Heimat- und Sachkundeunterricht zum Beispiel geht das ganz prima, wenn man sich die Dinge draussen genau ansieht. Oder eben das Einmaleins, was während dem Auto spielerisch geübt wird.

Außerdem erzähle ich Ihnen immer, dass Noten im Leben nicht alles sind und hebe ihre positiven Charaktereigenschaften hervor, wie zum Beispiel: hilfsbereit, lustig, neugierig, herzlich usw.

Ich habe ihnen auch schon ein eigenes Zeugnis mit ihren positiven Charaktereigenschaften geschrieben, dass sie dann am Tag der Zeugnisse von mir erhalten haben. Hier gibt es übrigens ganz tolle Vorlagen im Internet, falls man selbst nicht so kreativ sein möchte.

Sich für die Kinder einsetzen!

Leider kann ich das Schulsystem nicht ändern, dass meiner Meinung nach auf ganzer Ebene versagt.

Aber ich kann mich für meine Kinder einsetzen, sobald etwas nicht so läuft wie es sollte.

Meine große Tochter ist ein sehr gerechter Mensch. Leider geht es in der Schule nicht immer sehr gerecht zu. Wir hatten jetzt auch schon die ein oder andere Situation, in der etwas sehr ungerecht war. Hier habe ich das Gespräch mit der Lehrkraft und auch schon mit dem Direktor gesucht.

Wenn ich mit anderen Eltern spreche, höre ich oft: „Hast du denn keine Angst, dass dein Einsatz sich auf das Kind negativ auswirkt?“. Ich glaube, wenn dies der Fall sein sollte, würde ich mich wieder auf meine Hinterbeine stellen.

Natürlich versuche ich meinem Kind immer zuerst Hilfestellung mit an die Hand zu geben, die Situation selbst zu bereinigen. Leider hat das in den vergangenen vier Jahren nicht immer geklappt. Hier finde ich es persönlich wichtig, sich für seine Kinder einzusetzen. Ich weiß, dass auch Lehrer nur Menschen sind und eben auch Fehler machen. Diese können meist in einem persönlichen Gespräch geklärt werden. Meine Kinder lernen so, meine Mama steht immer hinter mir und hilft mir. 

Diese Erfahrung ist mir wichtiger, als die Eventualität, dass der Einsatz sich negativ von Seiten der Lehrkraft auf mein Kind auswirken könnte.

Zeit investieren

Natürlich kostet das alles Zeit. Sowohl das „Druck rausnehmen“, als auch das „sich für das Kind einsetzen“. Deswegen bin ich auch der Meinung, dass unser Bildungssystem eben nicht allen Kindern unserer Gesellschaft die gleiche Chancen einräumt. Kinder, bei denen die Eltern sich nicht kümmern, warum auch immer, stehen deutlich schlechter in der Schule da. Hierüber gab es auch mal eine Studie, die dies belegte. Dadurch das Lehrer auch nur Menschen sind, werden häufiger die Kinder besser benotet, bei denen die Eltern Präsenz zeigen.

Leider habe ich auch persönlich in dem Umfeld meiner zwei Töchter die Erfahrung gemacht, dass diese Studie recht hat. Das mag natürlich nicht pauschal für überall gelten, bei uns ist es leider so.

Den Kindern genau zuhören

Wir reden besonders beim gemeinsamen Abendessen sehr intensiv miteinander. Durch gezieltes Nachfragen erfahre ich hier oft, wenn meine Kinder irgendwo Probleme in der Schule haben, oder mit irgendwem. Oft suchen wir dann gemeinsam nach einer Lösung.

Die Kinder beobachten 

Außerdem habe ich meine Kinder beobachtet und so herausgefunden, dass meine große Tochter nach der Schule oftmals eine Pause braucht. Hier haben wir ein bisschen herumexperimentiert und verschiedene Zeiten getestet. Am besten kann sie tatsächlich ihre Hausaufgaben nach dem Sport erledigen. Wenn sie sich bewegt hat und ausgepowert hat, kann sie den Lernstoff besser aufnehmen. 

Bei meiner kleinen Tochter hingegen ist es besser, sie erledigt ihre Aufgaben direkt nach der Schule. Sie tut sich schwer nach einer zu großen Pause wieder mit dem Schulstoff zu beginnen. Deswegen dieser kleine Tipp von mir: Beobachte dein Kind genau. Wann fällt es ihm leichter die Hausaufgaben zu erledigen?

Wie gehst du mit dem Druck der Schule um?

Hast du vielleicht noch einen Geheimtipp für mich, um den Druck von den Kindern etwas abzumildern?