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Eigentlich lest ihr ja von uns relativ lustige Texte. Heute einmal ein leider nicht lustiges Thema.
Da vor einiger Zeit meine Schwiegermutter plötzlich und unerwartet verstorben ist, stand ich nun vor der schwierigen Aufgabe meinen zwei Mädels zu erklären, dass ihre Oma gestorben ist.

Da das Thema Tod ein sehr umfangreiches ist, habe ich beschlossen, dieses Thema in zwei verschiedene Teile zu splitten.
Hier, in dem ersten Teil geht es darum, wie und wann man es am besten den Kindern mitteilt und wie unterschiedlich die Kinder reagieren.

Wann sage ich es meinen Kindern?

Tatsächlich habe ich mich noch einige Zeit davor gedrückt es meinen zwei Kindern zu sagen.
Wir bekamen die Nachricht am Abend und am nächsten Morgen, bevor sie zur Schule und zum Kindergarten gegangen sind, konnte ich es ihnen noch nicht sagen.
Somit hatte ich mir erst einmal Zeit verschafft, um die ganze Situation selbst ein bisschen zu realisieren.
Natürlich muss jeder für sich selbst entscheiden, wann man dazu bereit ist, so eine Nachricht seinen eigenen Kindern mit zu teilen.
Viele meinen, Kinder würden es sowieso spüren, dass die Eltern etwas verheimlichen und deswegen sei es besser, ihnen von Anfang an die Wahrheit zu sagen.
Im Nachhinein bin ich aber froh, dass ich mir diesen einen Vormittag noch Zeit genommen hatte.
Als meine große Tochter, jetzt im besten Alter von sieben Jahren, von der Schule nach Hause kam, war ich bereits wieder einigermaßen aus meiner eigenen  „Schockstarre“ heraus und konnte mich ganz auf sie konzentrieren.

Sag ich es beiden Kindern zeitgleich?

Diese Frage habe ich mir gestellt und muss sich wohl jeder stellen, der mehr als ein Kind hat. Klar dachte ich mir, wenn ich es beiden auf einmal sage, muss ich es nur einmal sagen und habe es dann hinter mir.
Ich habe mich dann aber dazu entschlossen, es jedem Kind einzeln zu sagen. Meine beiden Töchter sind unterschiedlich alt, auch wenn sie nur einen Altersunterschied von zwei Jahren zueinander haben, befinden sie sich dennoch in unterschiedlichen Entwicklungsstadien.
Ich glaube sogar, dass wenn beide Zwillinge wären (meistens benehmen sie sich ja auch so), hätte ich es ihnen auch einzeln gesagt.
Jedes Kind geht mit so einer Todesnachricht anders um. So war ich mir einfach sicher, dass egal wie meine Töchter reagieren würden, ich mich voll und ganz auf Jede konzentrieren kann und für sie da sein kann.
So sagte ich es meiner großen Tochter zuerst, mittags, nach der Schule. Meine kleine Tochter ließ ich mit Absicht an diesem Tag bis nachmittags im Kindergarten, damit ich Zeit und Ruhe für meine Große hätte.
Anschließend sagte ich es meiner kleiner Tochter.
Es ist besonders wichtig, hier genügend Zeit einzuplanen.

Wie übermittele ich die Todesnachricht?

Das war für mich der schwierigste Teil. So ließ ich meine große Tochter, als sie nach Hause kam, erstmal in Ruhe ankommen. Nachdem sie dann endlich in Ruhe saß, und jeder weiß, dass kann bei Kindern etwas länger dauern, erklärte ich ihr, dass ich ihr gerne etwas sagen möchte und dass das nicht schön sei, was ich ihr sagen muss.
Ich habe lange überlegt, welche Worte ich dafür verwende. Tatsächlich habe ich dann gesagt „Die Oma ist gestorben“.
Hier muss ich dazu sagen, dass ich bereits vor ein paar Jahren, als mein Opa gestorben war, ihr gesagt hatte „Der Opa ist jetzt im Himmel“. Sie war damals noch etwas jünger, aber sie hat anschließend immer wieder gefragt, wann er denn wieder runterkäme, denn schließlich kann man ja mit dem Flugzeug hoch fliegen, dann könne der Opa doch auch wieder mit dem Flugzeug runterkommen.
Aus diesem Grund wählte ich eben genau diese Aussage nicht.

Die eigenen Gefühle zeigen

Natürlich kam ich nicht umhin, dass auch bei mir, während ich es meinen Kindern sagte, die Tränen flossen. Zunächst habe ich noch kurzfristig versucht mich zusammen zu reißen. Aber ich denke, auch unsere Kinder dürfen sehen, dass wir über den Verlust eines Menschen traurig sind und dass wir weinen.
Ja, sie sollen sogar sehen, dass es völlig normal und auch in Ordnung ist, wenn wir weinen.
Natürlich, wenn ich einen totalen Nervenzusammenbruch gehabt hätte, wäre es wohl eher verstörend für die Kinder gewesen.
Deshalb sollte man auch den Zeitpunkt, zu dem man so eine Nachricht den Kindern mitteilt, gut gewählt sein. Wenn man selbst nicht bereit ist und die Worte vielleicht nicht ohne Zusammenbruch herausbringt, kann es durchaus sinnvoll sein, dass man das Gespräch mit den Kindern noch etwas heraus zögert, damit man die Kinder nicht traumatisiert. Ich persönlich finde es auch wichtig, dass nicht irgendjemand anderes die Nachricht übermittelt, wie z.B. eine Tante oder jemand anderer aus der Familie. So eine einschneidende Mitteilung sollten sie von ihrer engsten Bezugsperson, zumeist ist das die Mutter oder im besten Fall Mutter und Vater gemeinsam bekommen.

Die Reaktion der Kinder

Meine beiden Mädels haben beide völlig unterschiedlich auf den Tod der Oma reagiert.

Die Große wollte als erstes wissen, ob die Oma krank war.
Hier ist es wichtig, dass man bei der Wahrheit bleibt. Tatsächlich war unsere Oma nicht krank und das sagte ich ihr auch so. Für meine große Tochter schien es verwirrend zu sein, dass ein Mensch einfach so, ohne vorher krank gewesen zu sein, plötzlich sterben kann.
Natürlich folgte sofort die Frage, ob wir, also Mama und Papa auch einfach so plötzlich sterben können. Ich erklärte ihr, dass es durchaus passieren kann, aber wir nicht davon ausgehen, dass das passieren wird. Das schien sie zunächst erstmal zu beruhigen.
Danach suchte sie nach Erklärungen. Ob es sein kann, dass die Oma etwas falsches gegessen hatte. Auch hier erklärte ich ihr, dass das nicht der Grund gewesen sein kann. Vorsichtig habe ich ihr versucht zu erklären, dass die Oma schwer auf den Kopf gestürzt ist. So schlimm die Situation war, es schien sie zu beruhigen, dass keine äußeren Umstände dafür verantwortlich waren, sprich kein falsches Essen und auch keine Krankheit, die ein Arzt hätte erkennen oder behandeln können.
Das Gespräch mit unserer großen Tochter war sehr schnell vorbei und sie weinte auch nicht. Nachdem die für sie wichtigen Fragen geklärt waren, sagte sie noch kurz, dass sie jetzt nicht mehr darüber reden möchte und ging in ihr Zimmer um zu spielen.
Natürlich war ich erstmal verwirrt, ich hatte mit Tränen und eventuell sogar Schreien gerechnet, aber nicht damit, dass sie vollkommen ruhig blieb.
In den nächsten zwei Stunden ging ich aber immer wieder zu ihr und bot ihr Gespräche an. Ich sagte ihr, dass sie jederzeit, wenn sie reden möchte oder noch weitere Fragen hätte, zu mir kommen könne.
Jedes Kind reagiert anders und geht anders mit Verlusten um. Im Nachhinein gesehen, war es gut, dass ich meiner Tochter die Zeit gegeben habe, damit sie das alles erst einmal selber verdauen kann. Sie brauchte diese Zeit um die Nachricht für sich zu realisieren.
Am Abend dann, als die Kinder bettfertig waren, kuschelte sie sich dann in meinen Arm und weinte bitterlich. Sie wollte nach wie vor noch nicht mit mir darüber sprechen, aber die Tränen flossen in Strömen.
Ich hielt sie einfach im Arm und weinte gemeinsam mit ihr.

Meine Kleine, zwei Jahre jünger, reagierte völlig anders, als wir ihr mitteilten, dass ihre Oma gestorben war.
Sie weinte sofort. Als sie sich wieder beruhigt hatte, stellte sie gefühlt tausend Fragen.
Sie wollte alles genau wissen, an welcher Stelle die Oma gestürzt war, wo die Wunde am Kopf war usw. Ich bemühte mich geduldig alle Fragen zu beantworten.
Auch hier war besonders wichtig, bei der Wahrheit zu bleiben. Kinder spüren intuitiv, wenn man etwas vor ihnen verheimlichen will.
Auf die Frage, ob die Oma Schmerzen hatte, antwortete ich ihr wahrheitsgemäß, dass ich das nicht wüsste, aber das ich das die Polizei, die den Fall bearbeitet nochmal fragen kann.
Das Gespräch mit unserer kleinen Tochter dauerte so deutlich länger und ich war froh, dass ich mich dazu entschieden hatte, mit beiden Kindern einzeln zu sprechen und genügend Zeit eigeplant hatte.
Nachdem wir auf Grund des Todes ja Kontakt zu dem zuständigen Polizisten hatte, stellte ich ihm die noch offenen Fragen und erzählte unserer kleinen Tochter am nächsten Tag wahrheitsgemäß, dass die Oma sehr wahrscheinlich keine Schmerzen hatte. Das beruhigte nicht nur unsere Kinder, sondern uns selbst auch.
Auch an den darauffolgenden Tagen löcherte sie uns immer wieder mit Fragen, teilweise stellte sie die gleichen Fragen immer und immer wieder. Und ich beantwortete sie ihr immer und immer wieder. Das war ihre Art, das Geschehene zu realisieren.

Die Erzieher und Lehrer auf jeden Fall informieren

Am nächsten Tag gingen meine Kinder weder in den Kindergarten noch in die Schule. Ich gab uns allen gemeinsam den Tag um diese Situation zu realisieren.
Danach begannen bei uns sowieso die Ferien. Wäre dies nicht der Fall gewesen, hätte ich sie wohl noch länger zu Hause behalten.
Natürlich rief ich in der Schule und im Kindergarten an und teilte den Lehrern und den Erziehern mit, was passiert war. Es ist besonders wichtig, alle mit einzubeziehen, damit diese Personen später wissen, warum das Kind vielleicht traurig ist oder nicht so aufmerksam dem Unterricht folgen kann.
Unsere kleine Tochter erzählte auch sofort nach den Ferien im Kindergarten, dass ihr Oma gestorben war. Die Erzieherin nahm das zum Anlass und besprach innerhalb der Gruppe sehr einfühlsam das Thema Tod mit den Kindern. In diesem Moment betrifft es nicht nur das eigene Kind, sondern auch die anderen Kindergartenkinder werden damit konfrontiert, wenn ein Kind aus ihrer Gruppe davon erzählt. Auch sie müssen einen Weg finden, damit umgehen zu können.

Im nächsten Teil werde ich Euch berichten, welche Bilderbücher und Bücher ich zu dem Thema Tod für Kinder am besten halte und warum unsere Kinder nicht mit auf der Beerdigung dabei waren.

Der zweite Teil wird genau in einer Woche erscheinen.

Lest hier den zweiten Teil: “Die Oma ist gestorben” Teil 2.

Ich würde mich freuen, wenn ihr mir eure Erfahrungen und Anregungen in den Kommentaren als Feedback hinterlasst.

Wie seid ihr mit diesem Thema umgegangen? Welche Erfahrungen habt ihr mit Euren Kindern diesbezüglich gemacht?

Eure Sabine