Es war mal wieder soweit.

Meine große Tochter, jetzt im besten Alter von acht Jahren, kam von der Schule nach Hause und sagte noch nicht einmal „Hallo“. Nein, ihr erster an mich gerichtete Satz war „Warum darf ich kein Handy haben? Alle aus meiner Klasse haben schon eins.“ Natürlich ist dieses „Alle in der Klasse“ von ihr sehr subjektiv, denn tatsächlich sind es drei, zumindest drei Mitschüler von denen ich es weiß.
Nun ist anscheinend noch eine vierte stolze Handybesitzerin in der Klasse hinzugekommen. Was dazu führt, dass wir mal wieder zu Hause dieses leidige Thema haben.
Meine Tochter ist gerade mal in der zweiten Klasse. Hallo? Warum haben Kinder in der zweiten Klasse bereits ein Handy?!
Natürlich kamen bei mir auch schon öfters meine Kinder mit dem ein oder anderen Wunsch an, den ich ihnen nicht erfüllen wollte oder konnte. Teilweise haben sie diesen Wunsch einfach wieder vergessen, oder meine Erklärung dazu, warum sie dieses oder jenes nicht haben können akzeptiert.
Anders bei dem Thema Handy. Ständig taucht dieses leidige Thema bei uns zu Hause auf. Wenn mal für zwei Woche Ruhe damit ist, liege ich ja schon förmlich auf der Lauer, wann es wieder losgeht. Und glaube mir, es geht wieder los. Spätestens, wenn eben ein neuer, stolzer Handybesitzer in ihrem persönlichen Umfeld hinzukommt.
Da kann ich auch meiner Tochter noch soviel erklären wie ich will, sie stellt ihre Ohren auf Durchzug. Ich kann mir anhören, dass die anderen Kinder damit wissen, wie das Wetter ist. Mein Argument, dass man dazu nur aus dem Fenster schauen muss, oder einen Fuß vor die Haustüre setzen muss, dann kann man ebenfalls sehen wie das Wetter ist, stößt bei ihr auf taube Ohren.
Am Schluß jeder Diskussion tobt sie wie eine kleine Furie durch unser Haus und stampft mit den Füßen auf, wie ein kleines Rumpelstilzchen. Lachen darf man ja dann auch nicht, das scheint das Ganze nur zu befeuern. Mittlerweile weiß ich, dass an solchen Tagen weder irgendwelche gemeinsamen Unternehmungen, noch andere Aktivitäten mit meiner rasenden Tochter möglich sind.
Machen sich die anderen Eltern eigentlich gar keine Gedanken um uns „Noch-Nicht-Handyerlauber“? Oder sind diese anderen Eltern einfach nur von Grund auf schadenfroh? Ich vermute ja, dass diese anderen „Handy-Erlauber-Eltern“ auch bereits solche Furien zu Hause hatten und schlichtweg einfach aufgegeben haben. Aber nicht ich, ich bin schließlich von Sternzeichen Stier und wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, halte ich auch daran fest. Und so halte ich auch daran fest, dass ein gerade mal achtjähriges Mädchen in der zweiten Klasse noch kein Handy benötigt. Ich bin weiß Gott keine Mutter, die elektronisches Spielzeug von vornherein verteufelt, ja, auch meine Kinder sind Besitzer eines Tablets (ich Rabenmutter). Ich hingegen würde meinen Kindern jedoch niemals erlauben, ihr Tablet mit in die Schule zu nehmen. Wahrscheinlich bin ich hier den anderen Eltern gegenüber einfach zu rücksichtsvoll.

Den Kindern Dankbarkeit vermitteln

Bereits an Weihnachten hatten wir das Thema Dankbarkeit. Eigentlich hat es sich eher durch Zufall ergeben. Jedes Jahr bekommen wir zu Weihnachten Post von einer lieben bekannten Familie. In dieser Post ist immer eine kleine Geschichte dabei, diesmal war es eine Geschichte über die innere Einstellung, dass man Dinge positiv und negativ betrachten kann. Jedes Jahr lesen wir, nach dem Weihnachtsessen diese kleine Geschichte vor. Dieses Jahr hatte ich die Idee, dass jeder Gast zu Weihnachten fünf Dinge notieren sollte, wofür er dankbar in seinem Leben ist. Es war interessant zu sehen, dass es einigen Gäste recht leicht fiel, fünf Dinge zu finden, andere Gäste brauchten den ganzen Abend um überhaupt etwas zu finden. Diesen Zettel durfte natürlich jeder mitnehmen und er wurde auch nicht vorgelesen, es war rein als kleiner Denkanstoß gedacht. Damit sich die Kinder in der Zwischenzeit nicht langweilten, machte ich gemeinsam mit ihnen die gleiche Aufgabe. Dabei fiel mir auf, dass die Kinder sehr genau wissen, wofür sie in ihrem Leben dankbar sind. Und man staune, es fielen eigentlich keine Worte wie dieses oder jenes Spielzeug, es fielen Dinge wie, dass Mama und Papa mit uns spielen, dass Oma und Opa gesund sind usw.
Tatsächlich hatten die Kinder am wenigsten Probleme fünf Dinge zu finden.

Besprechen

Manchmal mache ich das Thema Dankbarkeit im Kleinen mit meinen Kindern vor dem Schlafen gehen, dann frage ich sie, für was sie an dem heutigen Tag besonders dankbar sind. Auch hier wissen sie meisten sofort mehrere Sachen. Leider muss ich gestehen, dass das in unserem oft chaotischen Alltag etwas untergeht.

Diese Handygeschichte hat mich jedoch wieder daran erinnert, dass ich das Thema Dankbarkeit mit meinen Kindern, in diesem Fall besonders mit meiner großen Tochter, mehr in den Vordergrund stellen sollte. Ich wollte einfach, dass sie sehen, was sie alles haben, wofür sie dankbar sein können und dass nicht alles im Leben selbstverständlich ist.

Malen

So haben wir uns große Blätter und Wasserfarben hergerichtet und ich habe den Kindern gesagt, sie sollen überlegen, für was sie in ihrem Leben dankbar sind und das sollen sie malen.
Natürlich habe ich das nicht an dem Tag der Handydiskussion gemacht, da hätte meine kleine Furie mir wahrscheinlich das Blatt auf den Boden geschmissen und wäre darauf rumgetrampelt.
Aber am nächsten Tag.
Meine kleine Tochter fing sehr schnell an. Ihr fielen sofort ganz viele Sachen ein und mit ein bisschen Lenkung von mir, kamen dann noch einige hinzu. Sie ist z.B. für ihr Essen und für die Haustiere dankbar.
Meine große Tochter hat etwas mehr Zeit gebraucht, aber auch dann sind ihr ihre Freunde eingefallen, anschließend unser Haus, mit der Bemerkung, dass es ja ganz viele arme Menschen gibt, die gar kein zuhause haben. Nach und nach kamen immer mehr Dinge hinzu. Während dem Malen haben wir über diese Dinge gesprochenen und ich war erstaunt, wieviel die Kinder im Grunde schon wissen. Sie haben mir während dem Malen erzählt, dass es auf der Welt auch Kinder gibt, die fast nichts zu essen haben und sie wollten sofort ein Päckchen zu diesen armen Kindern schicken. Wir haben dann vereinbart, dass wir wieder bei der Weihnachten im Schuhkarton Aktion mitmachen werden und dass dieses Jahr das Päckchen besonders groß wird.
An diesem Abend habe ich mir meine große Tochter noch einmal vor dem Schlafen gehen zur Seite genommen und sie gefragt, wie wichtig denn tatsächlich so ein Handy im Leben ist. Draufin meinte sie relativ cool „jetzt gerade ist es nicht mehr so wichtig, aber später vielleicht dann wieder“.

Ich weiß, dass das Thema Handy in spätestens zwei Wochen wieder von vorne beginnt, aber vielleicht lasse ich sie ja dann wieder ein Bild zum Thema Dankbarkeit malen. Die Frage ist wohl eher, wie lange bzw. wie oft das funktioniert. Dennoch bin ich der Meinung, dass man auch Kindern das Thema Dankbarkeit nahe bringen kann und sollte. Ich möchte gerne, dass meine Kinder verstehen, dass es uns sehr gut geht, dass das aber nicht selbstverständlich ist. Hierfür sollten sie dankbar sein und sich dessen bewusst sein. Zum glücklich sein im Leben gehört auch die Dankbarkeit.

Und alle „Handy-Erlauber-Eltern“ aus der zweiten Klasse möchte ich bitten, dass sie ihren Kindern das Handy vielleicht nicht mit in die Schule geben. Vielleicht denkt ihr das nächste Mal ein bisschen an uns „Noch-Nicht-Handyerlauber“, nachdem ihr jetzt wisst, was wir deshalb alles so zuhause mitmachen müssen.

 

Wie geht ihr bei Euch zu Hause mit dem Thema Dankbarkeit um?

Schreibe mir doch hierzu einen Kommentar.

Bis Bald
Eure Sabine

 

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