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Das Aufräumfest…

Oder: Wie unser Haus für zwei Wochen im absolutem Chaos versank.

Vorne weg möchte ich sagen, dass dies mein eigener, ganz persönlicher Erfahrungsbericht mit der KonMarie-Methode ist.

Magic Cleaning von Marie Kondo

Als Leseratte stößt man unausweichlich irgendwann auf das Buch „Magic Cleaning“ von Marie Kondo. Ihr Buch wurde über eine Million Mal verkauft und ist auch aktuell noch in der Spiegel Sachbuch Bestsellerliste online auf Platz 10.

So kam es, wie es kommen musste und auch ich begann das Buch der Japanerin zu lesen.

In einem Haushalt mit zwei Töchtern im besten Alter von fünf und sieben Jahren, sowie einem verrücktem Hund liegt ständig irgendetwas herum und man kommt sich beim Aufräumen vor, wie in einem Hamsterrad. Ich konnte mir jedenfalls sicher sein, dass, wenn ich an einer Stelle unseres Hauses mit Aufräumen beschäftigt war, an anderer Stelle bereits wieder Chaos ausgebrochen war.

Leider hat sich das, trotz des lustigen Buches von Marie Kondo, nicht viel geändert. Nun gut, vielleicht ein kleines bisschen.

Lustiges Buch? Ja, ich fand es doch zum Teil sehr amüsant zu lesen. Das die Japaner eine andere Kultur als wir Europäer haben, habe ich ja schon vorher gewusst, aber , dass es tatsächlich Menschen gibt, die daran glauben, dass richtiges Aufräumen eine Ehe retten kann oder dass man dadurch abnehmen könnte, war mir neu.

Marie Kondo jedenfalls hat mit ihrer KonMarie-Methode des Aufräumens ihr Hobby zum Beruf gemacht und scheint auf diesem Gebiet ein wahrer „Monck“ zu sein.  Und das sehr erfolgreich.

Aufräumen nach Kategorien

In ihrem Buch meint Marie Kondo, dass man nicht nach Zimmern aufräumen soll, sondern nach Kategorien. Wichtig dabei ist noch, dass man eine bestimmte Reihenfolge einhalten muss. Zunächst kommen die Kleidungsstücke dran, dann die Bücher, anschließend die Schriftstücke, sowie Kleinkram und zum Schluss Erinnerungsstücke.

Der Anfang

Das habe ich dann hochmotiviert getan.

Also begann ich mit unserer Kleidung. Erstmal musste alles, und zwar wirklich alles, aus unseren Kleiderschränken raus. Aber nicht nur die Kleidung, die aktuell in den Schränken ist, musste raus, nein, auch die eingemottete Winterkleidung aus dem Speicher musste jetzt raus. Denn, Marie Kondo sagt, man soll alles an Kleidung was man behält, in seinen Schrank stellen. Das hat den Sinn, dass man zum Einen einen Überblick über seine gesamten Sachen hat und zum Anderen hat es den Vorteil, dass man auch im Spätsommer, wenn es vielleicht schon mal kälter ist, auch schon einen Pullover zur Verfügung hat, ohne erst die Winterkleidung umständlich aus zu motten. Die Idee dahinter leuchtete mir ein.

Nach den ersten zwei Stunden konnte man im ersten Stock unseres Hauses  keinen Fußboden mehr erkennen.

Davon, dass das Aufräumen laut Marie Kondo ein Fest sein soll, konnte ich in diesem Moment nichts feststellen.

Ausmisten

Anschließend wurde rigoros  ausgemistet. Das hat sich tatsächlich gelohnt.  Laut Marie Kondo soll man sich selbst bei jedem Teil, egal ob Kleidung oder etwas Anderes immer die Frage stellen, ob genau dieses Teil einen glücklich macht. Man soll dabei noch über das besagte Teil streicheln.

Nun ja, ich selbst glaube nicht daran, dass ein bestimmtes materielles Teil uns glücklich machen kann, aber ich konnte doch entscheiden, ob ich ein bestimmtes Kleidungsstück gerne trage oder nicht, völlig ohne es dabei zu streicheln. Tatsächlich haben wir so viel ausgemistet, dass der Rest unserer Kleidung in unsere Schränke passte, inkl. Sommer- und Winterkleidung.

Nach dem Ausmisten der Kleidung folgte bei mir nun der schwierigste Part. Das wieder Einräumen.

Wie du dir sicher vorstellen kannst, ist bei uns mit Ausräumen und Ausmisten der Kleidung bereits ein ganzer Tag vergangen, so dass ich beschloss, mit dem Einräumen erst am nächsten Tag zu beginnen. Bei mir konnte keine Rede davon sein, dass man das gesamte Aufräumen in kurzer Zeit und „in einem Rutsch“  erledigen soll, so wie es Marie Kondo in ihrem Buch rät. Aber das mag wahrscheinlich daran liegen, dass Frau Marie Kondo nicht ständig zwei Töchter um sich herumtanzen hat, die immer etwas von einem wollen und sich einen Riesenspaß daraus machen, alle Kleidungsstücke wieder durcheinander zu bringen.

Die Kleidung soll stehen, nicht wieder in sich zusammen fallen

Für diesen Tag hatte ich meine Kinder extra zu ihrer Oma gebracht, so dass ich mich in Ruhe dem Einräumen widmen konnte.

Die Kleidung soll nicht, wie wir es gewohnt sind, zusammengefaltet und übereinander liegend in die Schränke geräumt werden, nein, man soll die Sachen hinstellen. Leider kam ich hier mit der in dem Buch beschriebenen Anleitung nicht zurecht und musste mir mit Youtube Videos weiter helfen.

Doch so sehr ich mich auch bemühte, selbst mit Hilfe der ganzen Anleitungen, meine Kleidungsstücke wollten einfach nicht stehen bleiben. Ständig fielen sie in sich zusammen.

Die Japanerin beschreibt in ihrem Buch, dass man die Kleidungsstücke streicheln soll, damit die Energie der Kleidung besser fließen kann.

Nachdem niemand anwesend war, saß ich auf dem Boden unseres Ankleidezimmers (Ja, ich habe dank meinem besten Ehemann der Welt ein kleines Ankleidezimmer) und dachte mir „es sieht ja keiner, wenn du jetzt deine Kleidung streichelst“. So fing ich an, jedes Kleidungsstück erst zu streicheln und anschließend nach besagter Methode zu falten- und siehe da, die Kleidungsstücke blieben stehen.

Zwischen meinen vielen Selbstgesprächen, aber die führe ich häufig, fing ich an, an meinem Verstand zu zweifeln. Aber du kannst mir glauben, ich probierte es wirklich aus. Nach dem ich ja nun wusste, nach welcher Methode ich die Kleidung falten musste, testete ich es immer wieder mal mit einem Kleidungsstück aus, dass ich nicht streichelte. Aber es funktionierte einfach nicht, dieses nicht gestreichelte Teil fiel wieder sofort in sich zusammen.

Als die Oma meine Töchter am Abend wieder brachte, erzählte ich ihr davon und sie musste zum Versuchskaninchen herhalten. Aber bei ihr war es ebenfalls das Gleiche, nur die Sachen, die gestreichelt wurden, standen danach perfekt im Schrank.

Das unsere Kleidung jetzt ordentlich im Schrank steht hat nicht nur den großen Vorteil, dass es wesentlich ordentlicher aussieht, ich sehe jetzt auch meine ganzen Kleidungsstücke auf einen Blick und ziehe auch häufiger mal etwas an, dass ansonsten vielleicht ganz unten im Stapel in Vergessenheit geraten wäre. Tatsächlich ist seitdem auch im Schrank meiner großen Tochter Ordnung. Bei meiner jüngeren Tochter hat die KonMarie Methode leider nicht funktioniert, bei ihr sieht der Schrank immer noch nach kürzester Zeit wie ein Schlachtfeld aus.

Von allen belächelt, aber alle wollen wissen, wie es funktioniert

Ich wurde von allen Menschen leicht belächelt, die davon erfuhren. Bestimmt haben die sich insgeheim gedacht „ ich wusste schon immer, das die spinnt“ oder sowas. Aber tatsächlich wurde ich doch kurze Zeit danach immer gefragt, wie genau das Buch heißt, oder ob ich nicht mal vormachen kann, wie man die Kleidung so faltet, dass sie steht. Auch wollten vorher noch nie Menschen Fotos von unseren Kleiderschränken sehen.

Jedes Teil bekommt seinen festen Platz

In dem Buch ist beschrieben, dass man jedem Teil seinen festen Platz zuweisen soll.

Auch soll man darauf achten, dass alle gleichen Dinge an den gleichen Ort sollen.

Das war ganz schön zeitaufwendig. Deswegen brauchte ich insgesamt zwei Wochen mit dem Aufräumen. Dennoch habe ich es durchgezogen.

Mit meinen Töchtern zusammen habe ich mir dann das Kinderzimmer vorgenommen. Dabei haben wir viel ausgemistet. Erstaunlicher Weise, kamen meine Töchter von selbst mit dem ein oder anderem Spielzeug auf mich zu und meinten, dass wir dieses Teil wegräumen könnten, da sie nicht mehr damit spielen würden.

Es ist jetzt nicht viel ordentlicher in ihrem Zimmer, vielleicht ein bisschen, da sie einfach nicht mehr so viel Spielzeug haben, aber das Aufräumen mit ihnen zusammen geht dafür deutlich schneller. Dadurch, dass sie jetzt genau wissen, wo welches Spielzeug hin geräumt werden muss, habe ich den Eindruck, dass das Aufräumen ihnen leichter fällt.

Aufräumen verändert ihr Leben

Diese Aussage von Marie Kondo kann ich leider nicht bestätigen. Mein Leben hat sich dadurch nicht viel geändert.

Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich mich nicht bei allen Dingen, die mich täglich umgeben, lautstark bedanke, so wie es  in dem Buch beschrieben ist. Man soll sich bei seiner Handtasche bedanken, dass diese einem die Dinge so brav von A nach B getragen hat und sie zur Belohnung täglich ausräumen, damit sich die Handtasche ausruhen kann. Nein, das tue ich nicht. Ich begrüße auch nicht täglich mein Haus und danke ihm, dass es mich vor Wind und Wetter schützt.

Wahrscheinlich nehme ich das Thema einfach nicht so ernst wie Marie Kondo, ich musste doch recht häufig beim Lesen lachen.

Der Punkt, auf den ich mich am meisten gefreut hatte: der Rest der Familie fängt automatisch an aufzuräumen, wenn sie mit gutem Beispiel voran gehen, hat leider ebenfalls nicht funktioniert. Ich kann vor meiner gesamten Familie aufräumfanatisch hin- und hergehen, keiner kommt auch nur einmal auf die Idee seine Sachen von sich aus, also ohne das ich etwas sagen muss, auf zu räumen.

Aber vielleicht habe ich ja auch einfach nur eine besonders aufräumresistente Familie.

Gibt es tatsächlich Menschen, bei denen Aufräumen ihr Leben verändert hat (natürlich ausgenommen Messis)?

Wer räumt bei Euch auf und funktioniert das immer reibungslos?