Scheinbar ist gerade jetzt, Anfang des Jahres, Ausmisten und Aufräumen der ganz große Trend.

Vielleicht liegt es ja am Jahreswechsel, vielleicht aber auch daran, dass Marie Kondo nun auf Netflix eine eigene Serie hat.

Was auch immer diesen aktuellen „Ausmist-Wahn“ ausgelöst hat, es vergeht kein einziger Tag, auf dem ich nicht mindestens einmal am Tag auf Social Media von den tollen Erfolgen lesen kann.

Wir selber haben das „Aufräumfest“ von Marie Kondo bereits im November 2017 hinter uns gebracht, bei denen unser Haus für 2 Wochen im absolutem Chaos versank.

Vor einigen Tagen erzählte mir nun eine bekannte Mama ganz stolz, dass sie das Kinderzimmer ausgemistet habe. Sie habe dafür extra gewartet, bis das Töchterlein in der Schule war. 

Weiter erzählte sie mir, immer noch mit stolz geschwellter Brust, dass es natürlich danach viele Tränen bei der Tochter gab, aber sie jetzt schussendlich doch froh sei, dass ihr Zimmer nun strukturiert und übersichtlicher sei, da ja ganz viel von dem nicht mehr benutzen Spielzeug weg sei.

Ich war entsetzt und auch im ersten Moment sprachlos!

Meine Bekannte muss mir mein Entsetzen so deutlich angesehen haben, dass sie sich anschließend mit leiserer Stimme rechtfertigte, dass ja ihre Tochter sonst niemals etwas abgeben würde und die ganze Ausmistaktion ja andernfalls stundenlang dauern würde.

Respekt

Noch während meine Bekannte stolz von der Ausmistaktion in dem Zimmer ihrer Tochter erzählte, stellte ich mir vor, wie es für mich persönlich wäre, wenn ich nach Hause kommen würde und bei mir hätte jemand ausgemistet. 

Ganz ohne meine Erlaubnis. 

Ich würde mich definitiv betrogen fühlen. 

Außerdem fände ich es wahnsinnig respektlos gegenüber mir, wenn einfach jemand anderer für mich über meine persönlichen Dinge entscheiden würde.

Wie würde es dir in solch einer Situation gehen? Wie würdest du dich fühlen?

Wenn wir es selbst nicht wollen, dass jemand anderer über unser Hab und Gut entscheidet, warum dürfen wir das dann bei unseren Kindern?

Deswegen wird bei mir zu Hause, insbesondere im Kinderzimmer immer nur gemeinsam mit den Kindern ausgemistet.

Natürlich ist das die Entscheidung von jedem Einzelnen, wie man an so ein Thema rangeht.

Ich bitte dich lediglich darum, dich nur einmal kurz in die Situation deines Kindes hinein zu fühlen.

Natürlich habe auch ich, als meine zwei Mädels sehr klein waren, für sie ausgemistet. Aber ab dem Alter, bei dem sie einen Unterschied zwischen „Mein und Dein“ erkennen können, war damit Schluss. 

Als meine Mädels ca. 3 Jahre alt waren, haben sie gemerkt, wenn irgendetwas plötzlich verschwunden war.

Loslassen lernen

Dadurch, dass man das Ausmisten gemeinsam mit den Kindern macht, lernen Kinder los zu lassen. 

Anfangs mag das noch etwas schwierig sein, aber je häufiger man zusammen ausmistet, um so leichter fällt es auch den Kindern. Dieses Loslassen können Kinder nicht lernen, wenn wir Eltern für sie immer die Entscheidungen darüber treffen, was weg kommt und was bleiben darf.

Ich habe meine Kinder anfangs immer direkt gefragt, ob eine bestimmte Sache weg darf. 

Wenn sie „nein“ gesagt haben, habe ich das respektiert und die Sache durfte bleiben.

Wenn sie „Ja“ sagten, habe ich die jeweilige Sache zunächst erstmal in eine Tasche gepackt und abgewartet, denn auch hier kam es anfangs vor, dass meine Tochter es sich am nächsten Tag anders überlegt hatte.

Natürlich haben wir auf diese Art und Weise anfangs nicht so viel ausgemistet, aber dafür konnten wir alle damit gut leben. 

Nachdem wir ein paar Mal gemeinsam ausgemistet hatten, kamen meine Kinder schon ganz schnell von alleine darauf, was weg kann und was sie gerne behalten möchten.

Regelmäßigkeit

Und genau hier greift auch die Regelmäßigkeit. Denn, wenn man regelmäßig ausmistet, fällt beim nächsten Mal nicht soviel an. Es fällt einem leichter und es geht schneller.

Deswegen wird bei uns regelmäßig  ausgemistet.

Die Kleiderschränke der Kinder machen wir immer zum Winter/Sommerwechsel, somit zweimal im Jahr.

Ansonsten teilen wir das Kinderzimmer regelmäßig auf. 

Einmal ist das Regal dran, ein anderes Mal sind es die Spielzeugkisten.

Sachen an denen das Herz hängt

Manchmal bin ich mit ihren Entscheidungen nicht ganz einverstanden und versuche das mit ihnen zu besprechen, aber am Ende haben sie das letzte Wort. Wenn sie eine Sache ausmisten, die für mich persönlich einen hohen sentimentalen Wert hat, wie z.B. das geschenkte Stofftier von der bereits verstorbenen Oma, dann nehme ich diese Dinge an mich und packe sie in die „Erinnerungskiste“. Jedes meiner Kinder hat so eine „Erinnerungskiste“. 

Diese bekommen sie irgendwann einmal wenn sie erwachsen sind, dann können sie noch einmal darüber nachdenken und entscheiden, was mit diesen Dingen passieren soll.

Ab und zu hängt ihr Herz auch an Dingen, bei denen ich es nicht nachvollziehen kann. Das können bestimmte Steine sein oder andere Kleinigkeiten. Ich lasse mir dann von meinen Töchtern die Geschichte dahinter erzählen und bin oft ganz erstaunt, was sie mit diesen Dingen verbinden.

Diese Dinge dürfen dann natürlich bleiben.

Auch hier hilft mir oft, wenn ich an mich persönlich denke.  Ich habe zum Beispiel etliche von diesen Hühnergöttern, diese Steine, die man an der Ostsee findet, die durch das Auswaschen vom Meer ein Loch bekommen haben. Für manche mögen es nur Steine sein. Mich erinnern sie aber an eine schöne Zeit mit meinen Kindern gemeinsam an der Ostsee. Von diesen Steinen trenne ich mich  auch nicht.

System

Wie ich dir oben schon genannt habe, nehmen wir uns immer nur einen bestimmten Teil vom Kinderzimmer vor. So dauert das Ganze nicht zu lange. Wenn wir uns zum Beispiel das Regal vornehmen, wird das gesamte Regal ausgeräumt und alles auf dem Fußboden gelegt. Anschließend kommt das, was auf jeden Fall bleiben muss, wieder ordentlich zurück in das Regal.

Die Dinge, die weggeschmissen werden können, packen meine Mädels dann in eine Mülltüte und die Dinge, die weg können, aber noch vollkommen in Ordnung sind, die kommen in einen Wäschekorb.

Mittlerweile machen das meine zwei Töchter schon komplett alleine. Ich gebe ihnen lediglich die Mülltüte und den Wäschekorb. Anfangs, als so eine kleine „Ausmistaktion“ noch nicht so routiniert war, musste ich natürlich bei ihnen bleiben. 

Jetzt geben sie mir Bescheid, wenn sie fertig sind, meist dauert das keine halbe Stunde, dann komme ich und wir besprechen gemeinsam, was mit den Dingen, die im Wäschekorb gelandet sind, passieren soll. 

Motivation

Wenn du regelmäßig immer nur kleine Teilbereiche gemeinsam mit deinen Kindern zusammen ausmistet, ist die Motivation beim nächsten Mal größer, da sie wissen, dass das Ganze nicht allzu lange dauert.

Eine zusätzliche Motivation bei meinen Töchtern ist, dass sie selbst entscheiden dürfen, was mit den Dingen, die noch in Ordnung sind, passieren soll.

Sie dürfen entscheiden, ob sie diese Dinge verschenken wollen, ob sie sie auf dem Flohmarkt verkaufen wollen, oder ob ich sie zu einem Basar bringen soll.

Bei uns in der Schule wird jedes Jahr einmal ein Kinderflohmarkt veranstaltet. Hier sind meine zwei Mädels voller Eifer dabei. Die größeren Dinge soll ich meistens zu einem Kinderbasar bringen. Das mache ich dann ca. zweimal im Jahr. Solange wird alles für den Basar in einer Kiste gesammelt.

Die Einnahmen, sowohl aus dem Basarverkauf von ihrem Spielzeug oder auch die Einnahmen von einem Flohmarktbesuch dürfen meine zwei Kids behalten.

Das motiviert sie zusätzlich, denn natürlich haben sie immer schon wieder ganz viele andere Wünsche, was sie sich von dem Geld kaufen wollen.

Hier mische ich mich auch nicht in ihre Entscheidungen ein, auch wenn es mir manchmal doch sehr schwer fällt. Aber egal, welchen „Schmarrn“ sie sich aus meinen Augen dann kaufen, es ist und bleibt ihr Geld, über das sie frei verfügen dürfen.

Das ist bei uns übrigens mit ihrem Taschengeld das Gleiche. Auch hierüber dürfen sie komplett frei entscheiden.

Weil sie über diese Einnahmen frei entscheiden dürfen, ist ihre Motivation auch bereits beim Ausmisten sehr hoch. Oft diskutieren sie schon währenddessen, was sie sich kaufen wollen.

Alles was kaputt ist, muss weg

Die einzige feste Regel, die es bei uns beim Ausmisten gibt, ist: Alles, was kaputt ist und nicht wieder repariert werden kann, muss weg.

Bisher hat das auch immer ganz gut geklappt. Ab und zu kommt meine kleine Tochter noch auf die Idee, das man dann Teilstücke von der jeweiligen Sache eventuell noch für das Basteln verwenden kann. Bei einigen Sachen ist das dann auch ok und sie kommen dann in die Bastelschublade. 

Wenn es aber wirklich absolut keinen Sinn macht, dann versuche ich es ihr zu erklären, was sie in den meisten Fällen dann auch versteht. In den Fällen, wo sie es nicht versteht, kommt es in die Bastelschublade.

Dann ist eben besagte Bastelschublade in geraumer Zeit beim nächsten Ausmisten dran und ich frage sie dann nochmal, falls sie es dann überhaupt noch unbedingt behalten will.

Meine Geheimnisse

Zum Schluss möchte ich dir aber noch zwei kleine Geheimnisse verraten, aber bitte verrate diese nicht meinen Kids.

Die ganzen Bilder, die mir meine zwei Mädels malen – und das sind wirklich viele- hebe ich zunächst auf. Nach einer gewissen Zeit entsorge ich davon wirklich einen Großteil. Der Rest davon, bei denen sie sich besonders viel Mühe gegeben haben, oder die eine besondere Situation widerspiegeln, landen dann ebenfalls in ihrer „Erinnerungskiste“.

Mein zweites Geheimnis:

Der Großteil unserer selbstgebastelten Werke landet bei uns in unserem Garten, sofern sie halbwegs wetterfest sind. Das hat zum einen den Vorteil, dass unser Garten verschönert wird, aber auch zum anderen deswegen, weil sie dort tatsächlich irgendwann kaputt gehen. Dann werden sie entsorgt. 

Meine Töchter können sich besonders schwer von selbstgebastelten Dingen trennen, aber wenn diese dann kaputt sind, haben sie kein Problem damit. Außerdem können wir dann die jeweilige Stelle in unserem Garten neu gestalten, was den Vorteil hat, dass unser Garten immer wieder anders aussieht.

Nun weißt du, wie wir bei uns, in unserer Familie an das Thema „Ausmisten“ rangehen.

Vielleicht magst du mir ja verraten, wie es bei euch so gehandhabt wird.

Über einen Kommentar dazu würde ich mich riesig freuen.

Eine Bitte habe ich noch: Versuche, dich in dein Kind hinein zu versetzen. Wie würdest du dich fühlen, wenn jemand über deine persönlichen Dinge entscheidet?

Für mich kommt es fast schon mit Diebstahl gleich, einfach ohne zu fragen Dinge zu entsorgen und es zeigt dem Kind, dass man nicht respektvoll mit seinem persönlichen Hab und Gut umgeht.

Bis Bald

Deine Sabine