An manchen Tagen sollte man einfach im Bett liegen bleiben!

Ich habe schlecht geschlafen. Ständig bin ich wach geworden. Erst war mir zu kalt, danach zu warm. Zwischendurch hat meine kleine Tochter geschrieen – Nachtschreck- und ich habe mich um sie gekümmert. 

Viel zu früh wecken mich meine Kinder und mich begrüßen Kopfschmerzen und Unterleibsschmerzen. Ich habe während der Nacht meine Tage bekommen und nicht nur meine Unterhose ist voll, sondern das Bettlaken gleich mit.

In Gedanken, während ich die Kaffeemaschine anschalte, setze ich „Bettwäsche wechseln“ auf meine bereits endlos lange To-Do Liste für den Tag.

Ich und meine zwei Mädels haben frei, eigentlich sollte ich mich freuen und entspannen. Aber wie das so manchmal ist mit freien Tagen, will ich soviel erledigen, was die Woche über liegen geblieben ist und fühle mich gleich wieder erschlagen von der Flut der Aufgaben, die heute vor mir liegen.

Mein Kaffee ist fertig und ich stelle meine Tasse auf den Tisch. Nun wollen aber erstmal die Kinder frühstücken und auch hier nimmt das Schicksal heute seinen Lauf. 

Die eine will das, die andere das – ach nein, doch lieber das Müsli mit den Knuspernüssen. Als beide Mädels versorgt sind ist mein Kaffee kalt.

Es ist ja nicht so, dass ich das erste Mal in den letzten Jahren kalten Kaffee trinken würde. Seitdem meine zwei Kinder da sind, waren das unzählige kalte Kaffees. Bei dem Gedanken daran sinkt meine Stimmung weiter und mein Kopf pocht unaufhörlich als die Zwei sich lautstark am Frühstückstisch streiten.

Einen Wimpernschlag später fegt meine kleine Tochter aus Versehen meine Kaffeetasse samt kaltem Kaffee vom Tisch.

Gut, jetzt bin ich tatsächlich genervt. Auch meine Kinder verstummen für einige Sekunden und blicken mich erschrocken an. Ich erkläre Ihnen, dass ich mich heute nicht gut fühle. Kurz danach quasseln sie wieder munter fröhlich drauf los, während ich den Scherbenhaufen und die Kaffeeflecken beseitige.

Erneut lasse ich mir eine Tasse Kaffee raus. Meine zwei Mädels schicke ich ins Bad zum Zähneputzen und hoffe so auf ein paar Minuten in denen ich meinen frischen Kaffee trinken kann.

Plötzlich höre ich wieder lautes Geschrei aus dem Badezimmer. 

Als ich mich auf den Weg nach oben machen will, stolpere ich natürlich über die erste Treppenstufe.

Wer hat eigentlich den Satz erfunden „An manchen Tagen sollte man einfach im Bett liegen bleiben!“ – dieser jemand hatte mit Sicherheit keine Kinder.

Meine schlechte Stimmung überträgt sich

Der gesamte Tag geht genauso weiter wie der Morgen begonnen hat. Auch nachdem ich eine Kopfschmerztablette genommen hatte, ging es mir nicht besser.

Immer wenn ich irgendetwas von meiner To-Do Liste erledigen wollte, kam mir irgendetwas dazwischen. 

Am Nachmittag bin ich wirklich genervt. Ich weiß, dass ich genervt bin und dass die Kinder nichts dafür können. Dennoch ärgere ich mich über jeden Streit der Beiden sehr.

Während ich immer genervter werde, drehen meine zwei Mädels immer mehr auf, streiten immer mehr und machen immer mehr Blödsinn.

In so einem schlauen Ratgeber von einer Kinderpsychologen habe ich einmal gelesen, dass je schlechter meine Stimmung ist, desto schlechter ist die Stimmung der Kinder. Man überträgt die eigenen Befindlichkeiten.

Der Rat in diesem Buch lautete: tief durchatmen und bis 100 zählen. Dann am besten eine Tätigkeit suchen, die einem Spaß macht oder etwas Schönes zusammen unternehmen.

Sorry, dazu bin ich nicht in der Lage. Auch mit Durchatmen bessert sich meine Stimmung nicht.

Mittlerweile beben bei jedem Versuch von Durchatmen meine Nasenflügel bedrohlich.

Auch als ich Rabenmutter meinen Kindern eine Fernsehserie einschalte, damit ich wenigstens die Wäsche machen kann, muss ich feststellen, dass ein schwarzer Socke in der weißen Wäsche war.

Als am Abend dann mein bester Ehemann der Welt nach Hause kommt und mich fragt, ob ich die fällige Überweisung gemacht habe, sehe ich rot.

Und obwohl ich weiß, dass sowohl er als auch die Kinder nichts dafür können explodiere ich verbal.

So eine Mutter wollte ich nie werden

Nachdem dieser scheinbar niemals enden wollende Tag endlich vorbei ist und ich in meinem Bett liege, bin ich kurz vor dem Heulen. Heute war ich genervt, ungeduldig, habe ständig an den Kindern rumgemeckert und geschimpft. Genauso eine Mutter wollte ich doch nie werden.

Mich übermannt das schlechte Gewissen. Schnell flitze ich nochmal ins Kinderzimmer und entschuldige mich bei meinen Kindern für den furchtbaren Tag.

Sie schauen mich im Halbschlaf lächelnd an und meine kleine Tochter meint zu mir: „Mama, weißt du, wir müssen alle mal traurig sein, weil dann weiß man es wieder, wie es ist, wenn man glücklich ist!“.

So ein schlaues Kind! Von wem sie das nur hat?

Ich bin froh, dass meine Kinder Verständnis haben und mir nicht böse sind, wenn ich mal so einen schlechten Tag habe.

Trotzdem liege ich noch lange mit meinem schlechten Gewissen wach und frage mich, warum ich es an manchen Tagen nicht schaffe, mich selbst aus meiner schlechten Stimmung heraus zu holen. Und warum meine Liebsten dann darunter leiden müssen, obwohl ich mir dessen sogar bewusst bin?

Mit dem festen Vorsatz, dass ich mich, beim nächsten schlechten Tag mehr bemühen werde, schlafe ich ein.

Zum Glück sieht am nächsten Tag die Welt schon wieder ganz anders aus. Und Tage wie dieser sind nicht die Regel. 

Nach dem Regen kommt auch wieder Sonnenschein

Kennst du auch so Tage, an denen einfach alles schief läuft?